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Elm GL

Gefährliche Situation nahe der Schwyzer Grenze: So wurde ein Vierjähriger vor Wölfen in Sicherheit gebracht

Nach mehreren Sichtungen verfügt der Kanton Glarus den Abschuss zweier Wölfe. Am Donnerstag hat sich ein Wolf in Elm, etwa 14 Kilometer östlich der Schwyzer Kantonsgrenze, einem Kind angenähert –  und liess erst von ihm ab, als die Mutter hinzukam.
In Glarus sind in den vergangenen Tage und Wochen mehrere Wölfe in Siedlungsnähe gesichtet worden. Nun verfügt der Kanton zwei Abschüsse.
Bild: Symbolbild: Keystone

Seit Mitte Dezember sind in den Glarner Dörfern Matt, Engi und Elm verschiedentlich Wölfe beobachtet worden. Und das laut einer Mitteilung des Kantons vom Freitag «in unmittelbarer Umgebung zu bewohntem oder stark frequentiertem Gebiet».

Am Tag zuvor sei es schliesslich zu einer Annäherung eines Wolfes an ein vierjähriges Kind in Hofnähe gekommen, begründet der Kanton Glarus die Abschussbewilligung. Der fragliche Wolf sei dabei auch in Begleitung eines zweiten Tieres gewesen, weshalb nun gleich zwei Tiere auf der Abschussliste stehen.

«Wirklich sehr unangenehme Situation»

Passiert ist der Vorfall am Donnerstag in Elm im Dorfteil Oberhaus. Und das «unmittelbar bei einem Bauernhaus», wie Thomas Tschudi im Gespräch erzählt. Das Gebiet liegt rund 14 Kilometer von der östlichen Muotathaler Gemeindegrenze entfernt. Laut dem zuständigen Regierungsrat trat der Wolf dabei «unter 30 Meter» an den Buben heran. Und das, obwohl sich drei Frauen in der Nähe laut bemerkbar machten.

Bevor er die zwei Wolfsabschüsse bewilligte, hat Thomas Tschudi selber Videos der Wolfsbegegnung gesehen. «Das ist eine wirklich sehr unangenehme Situation», sagt der Glarner Regierungsrat. «Erst als die Mutter ihr Kind auf den Arm nehmen konnte, hat der Wolf langsam den Rückzug angetreten.» Und das alles immer unter Beobachtung eines zweiten Wolfes, der sich allerdings stets im Hintergrund hielt.

Wolf reagierte nicht auf Zurufe von Menschen

Auch verschiedene weitere Beobachtungen der letzten Tage und Woche würden dabei zeigen, «dass die Wölfe keine Scheu vor den Menschen zeigten», hält der Kanton Glarus in seiner Mitteilung weiter fest.

So berichteten bereits im Dezember die «Glarner Nachrichten» über die Sichtung eines Wolfes zwei Meter vor der Haustüre eines anderen Bauernhofs. Der Vater der Familie hatte davon ein Video gemacht. In der Folge war der Wolf logischerweise Dorfgespräch Nummer 1 in Matt. Wie die Mutter später der Zeitung sagte, lassen sie ihre vier Kinder ebenfalls logischerweise seither nicht mehr alleine aus dem Haus.

Dass die Wölfe immer noch da seien, merke sie auch ihren Pferden an, ergänzte die besorgte Mutter. Diese seien unruhiger und würden inzwischen sogar vor dem eigenen Hund aufschrecken. Und auch die Frau selber geht laut eigenen Aussagen nur noch mit einem Stecken aus dem Haus.

Laut Thomas Tschudi gibt es im Kanton aktuell zwei Wolfsrudel, wobei sich eines an der Kantonsgrenze zu St. Gallen befindet. Dazu kämen mehrere Einzelwölfe die sich über das weit verzweigte Glarner Gebiet verteilen. Zuletzt, und auch über den vergangenen Alpsommer, sei es zu verhältnismässig wenigen Problemen mit Wölfen gekommen. «Wenn es aber wie im aktuellen Fall zu einer Häufung von Problemen kommt», so Tschudi, «muss man auch bereit sein, unverzüglich durchzugreifen».

Abschussverfügung vorerst auf 30 Tage beschränkt

Zum verfügten Abschuss der beiden Wölfe verweist der Kanton Glarus auf das Konzept Wolf Schweiz des Bundesamtes für Umwelt. Demnach liege «ein problematisches Wolfsverhalten» vor, wenn bestimmte Wölfe regelmässig in der Nähe von Siedlungen auftauchten und dabei ein auf den Menschen oder dessen Haushunde gerichtetes Verhalten zeigten.

Mit dem Vollzug der zwei Wolfsabschüsse hat der Kanton die Glarner Wildhut beauftragt. Die Abschussbewilligung ist vorerst auf 30 Tage befristet. Laut Kanton ist allfälligen Beschwerden die aufschiebende Wirkung entzogen worden. Sprich: Die beiden Wölfe sind der Flinte sowieso ausgeliefert, egal wie der Fall allenfalls juristisch ausgehen sollte.