Ein Blick in die Glaskugel zeigt: Bis 2035 wird sich die Mediennutzung brutal verändern. Und trotzdem hat Journalismus Zukunft.
Glaskugeln haben den Nachteil, dass sie selten eindeutig sind. Umso beruhigender, wenn eine Studie nicht Kaffeesatz liest, sondern Forschung, Daten und kluge Köpfe kombiniert. Genau das tut die neue Studie «Mediennutzung 2035» des fög, des Forschungszentrums Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich – mit erhellenden Befunden.
Die Nachfrage nach Journalismus sinkt gemäss der Studie, und die Gesellschaft teilt sich stärker in informationsnahe und -ferne Gruppen. Digitale Kanäle dominieren, KI-Chatbots und Plattformen sorgen mit «Zero-Click»-Effekten dafür, dass journalistische Inhalte genutzt, aber kaum vergütet werden. Und doch zeigt die Studie: Journalistische Medien werden nicht überflüssig – sie werden wichtiger.
Denn Vertrauen bleibt die harte Währung der Informationsgesellschaft. Gerade im Zeitalter von KI, Deepfakes und synthetischen Wahrheiten schaffen journalistische Medien Orientierung. Die Studie empfiehlt, Medien als personalisierte Vertrauensgüter weiterzuentwickeln, (noch) näher am Publikum, dialogischer, erlebbarer.
Sind die Jungen verloren? Mitnichten!
Zugleich bleibt Journalismus die DNA der Medienhäuser mit den zentralen Unterscheidungsmerkmalen Qualität, Relevanz und Transparenz – gegenüber der Flut KI-generierter Inhalte. Der Vertrauens-Gap wird sich demzufolge weiter vergrössern, zugunsten journalistisch-professioneller Anbieter, die sich freiwillig an Qualitätsstandards orientieren.
Ermutigend ist auch der Blick auf die Jungen: Ihre Zahlungsbereitschaft für Online-Journalismus ist höher als die der Erwachsenen – und steigt mit zunehmender Medienkompetenz. Das ist kein Zufall, sondern ein Auftrag. Medienkompetenzförderung ist keine Kür, sondern eine Investition in die demokratische Öffentlichkeit von morgen.
Die Herausforderungen sind gross. Aber sie sind lösbar – wenn Politik, Wirtschaft, Medien und Zivilgesellschaft gemeinsam Verantwortung übernehmen. Die Glaskugel zeigt keine Untergangsszenarien. Sie zeigt Arbeit. Und Zukunft.


