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Grossbritannien

Massenentlassung im Palast? Schon brechen die ersten Negativschlagzeilen über King Charles herein

Am Freitag wird Charles III. in Wales erwartet. Vor dem Besuch macht eine angeblich geplante Massenentlassung im Königshaus Schlagzeilen.

Seit dem Tod von Queen Elizabeth II. steht der neue König Charles III. permanent im Licht der Öffentlichkeit. Seine Nerven sind durch die unentwegte öffentliche Aufmerksamkeit wohl etwas strapaziert. Davon zeugt unter anderem sein Besuch in Nordirland, wo ihn vor laufender Kamera ein auslaufender Stift wütend machte, als er in einem Gästebuch unterschreiben wollte.

Bereits bei seiner offiziellen Amtseinführung enervierte ihn sichtlich ein platzraubender Stift-Set auf dem Tisch der Urkunden-Unterzeichnung.

Nach den Besuchen in Schottland und Nordirland und der Übergabe der Leiche seiner Mutter an die Nation hat der 73-Jährige nun aber einen Tag Pause auf seinem Landsitz Highgrove in Gloucestershire, bevor er nach Wales reist. «Er wird am Donnerstag einen privaten Tag der Reflexion haben, und es wird nicht erwartet, dass er an öffentlichen Veranstaltungen teilnimmt», heisst es vonseiten der britischen Nachrichtenagentur PA.

Unerwartete Massenentlassung?

Trotz der kurzen Auszeit dürfte es um den neuen König kaum ruhiger werden – und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Die britische Zeitung «The Guardian» berichtete unlängst, dass Angestellte von Charles III. über ihre mögliche Entlassung informiert worden sein sollen.

Der Grund: Die Büros des Königs und der Queen Consort Camilla (75) in «Clarence House» – der offiziellen Residenz des Prince of Wales – sollen nach dem Tod von Queen Elizabeth II. (1926-2022) nun in den Buckingham Palace verschoben werden.

Bis zu 100 Angestellte der ehemaligen Residenz des neuen Königs, erhielten laut «Guardian» die Benachrichtigung, dass sie ihre Stelle verlieren könnten. Einige von ihnen sollen bereits seit Jahrzehnten im Dienste der britischen Monarchie gestanden haben. Betroffen seien Privatsekretäre, Experten für Finanzen, das Kommunikationsteam und auch Haushaltspersonal.

Die Schreiben über den möglichen Jobverlust kamen demnach am Montag während des Gottesdienstes für die verstorbene Königin in der Kathedrale St. Giles im schottischen Edinburgh – und war für viele der betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unerwartet.

Eine Quelle sagte dem «Guardian»: «Alle sind absolut wütend, einschliesslich der Privatsekretäre und des Senior-Teams. Alle Mitarbeiter arbeiten seit Donnerstag jeweils bis spät in die Nacht, um allem gerecht zu werden. Die Leute waren sichtlich erschüttert davon.»

Entscheidungen über die Entlassungen sollen indes erst nach dem Staatsbegräbnis der Queen, das am 19. September stattfindet, getroffen werden. Entlassene Mitarbeiter sollen zudem bei der Suche nach alternativen Beschäftigungen in anderen königlichen Haushalten oder nach anderen Jobs unterstützt werden.

Ein Sprecher von Clarence House sagte: «Unsere Mitarbeiter haben lange und treue Dienste geleistet, und obwohl einige Entlassungen unvermeidlich sein werden, arbeiten wir dringend daran, alternative Aufgaben für die grösstmögliche Anzahl von Mitarbeitern zu finden.»

Der politisierende Monarch

Abseits dieses unschönen Nebenschauplatzes warten Mammutaufgaben auf den neuen britischen Monarchen. Grossbritannien befindet sich in einem Reformstau, die Bevölkerung ist, nicht zuletzt wegen des Brexits, stark polarisiert, die politischen Positionen verhärtet. Wirtschafts- und Klimakrise, Kritik an der Monarchie sowie Separatismusbestrebungen wie etwa in Schottland kommen erschwerend dazu. Die verstorbene Queen Elizabeth II. verstand es zudem, den Zusammenhalt des Vereinigten Königreichs und des Commonwealth zu verkörpern.

Der neue Monarch tritt also in grosse Fussstapfen. Experten sehen in Charles III. einen König der sich – stärker als seine Mutter – stärker bei politischen und gesellschaftlichen Fragen einbringen wird. Bereits als Prince of Wales war er dafür bekannt, Kritik und Anregungen zu einer Vielzahl politischer Fragen wie dem Klimawandel, Landwirtschaft oder Kinderarmut zu äussern.

Der deutsche Politikwissenschaftler Ralph Rotte sagte zu «Focus Online»: «Der jetzige König hat zwar wiederholt klargemacht, dass er seinen Stil nach der Thronbesteigung ändern wird, aber ich gehe davon aus, dass er hinter den Kulissen weiterhin Tacheles reden wird.»

Tacheles reden könnte Charles III. zum Beispiel während seiner wöchentlichen Treffen mit Premierministerin Liz Truss. «Charles III. hat wohl eher eine eigene, konkretere politische Agenda als seine Vorgängerin», so Rotte. Das habe aber auch Vorteile.

Dazu kommt, dass Charles III. nicht unterschätzt werden sollte, denn er hat eine Lehrzeit von mehr als einem halben Jahrhundert hinter sich. Diese Erfahrungen bringt der neue König alle mit in sein Amt, was darüber hinwegtröstet, dass er wegen auslaufender Stifte auch mal kurz die Contenance verlieren kann.

Mit Material der DPA.