Gefährlicher Trend?

Nadeln und Schrauben in Halloween-Süssigkeiten: Fälle in weiteren Ländern bekannt – auch in der Schweiz

Auch nach Halloween werden weiterhin Fälle von manipulierten Süssigkeiten bekannt – darunter in der Schweiz. Könnten die Täter koordiniert vorgegangen sein?

Nach vielen Fällen von präparierten Halloween-Süssigkeiten in Deutschland sind mehrere Vorfälle in weiteren europäischen Ländern bekannt geworden. In Österreich wurden in mehreren Bundesländern einige Fälle von Süssigkeiten mit kleinen Metallobjekten publik, ein Mädchen wurde nach Angaben von Behörden leicht verletzt. Im Bundeskriminalamt in Wien wurde eine Ermittlungseinheit gegründet, die mit Europol und mit Deutschland in Kontakt steht. Berichte zu manipulierten Süssigkeiten kamen etwa auch aus Irland, Dänemark und Norwegen.

Aber auch in der Schweiz gab es mindestens einen Fall. Ein 9-jähriges Mädchen im solothurnischen Schönenwerd fand nach Halloween in einem Schokoladenriegel eine Schraube. Sie bemerkte es glücklicherweise vor dem Verzehr. Woher sie den Riegel genau hatte, konnte sie nicht mehr sagen. Bei der Kantonspolizei Solothurn gingen keine ähnlichen Meldungen ein, es kann derzeit kantonsweit von einem Einzelfall ausgegangen werden.

In Deutschland waren von den Behörden seit der Halloween-Nacht zahlreiche Fälle gemeldet worden, wobei gesammelte Süssigkeiten mit Nadeln, Nägeln, Schrauben und anderen Metallteilen manipuliert worden waren. Durch eine versteckte Nadel zog sich ein Kind leichte Verletzungen im Mundbereich zu, wie die Polizei mitteilte. Zuvor war bereits ein neunjähriges Mädchen in Niedersachsen durch einen manipulierten Schokoriegel an der Zunge verletzt worden. Die Polizei rief Eltern auf, die Ausbeute ihrer Kinder vor dem Verzehr zu kontrollieren.

Ob zwischen den ganzen Fällen in unterschiedlichen Regionen ein Zusammenhang besteht, ist nicht geklärt. Die Herkunft einzelner Süssigkeiten lässt sich nur schwer rekonstruieren. Auch in früheren Jahren gab es ähnliche Funde. Die aktuelle Häufung von Fällen im Bundesgebiet ist aber sehr auffällig. Inwieweit etwa ein Trend in sozialen Medien dahinterstehen könnte, ist unklar.

Österreich in engem Austausch mit anderen Ländern

Der österreichische Innenminister Gerhard Karner sagte auf einer Pressekonferenz: «Wir werden alles Menschenmögliche tun, damit wir dieses feige und hinterhältige Verbrechen aufklären», sagte der Minister. Wie in solchen Fällen üblich, bestehe ein enger Austausch mit anderen Staaten, auch mit Deutschland, hiess es aus dem österreichischen Bundeskriminalamt gegenüber der dpa. Nähere Details wurden vorerst nicht genannt. Nach Angaben Karners ist auch Ungarn von manipulierten Süssigkeiten betroffen.

Europol erklärte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, das Phänomen vergifteter oder mit Gegenständen versehener Süssigkeiten sei bekannt. Es werde keine neue Taskforce eingerichtet, aber man unterstütze Anfragen nationaler Behörden innerhalb eines bereits bestehenden Projekts.

Waren Täter online vernetzt?

Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Täter im Internet, in sozialen Medien oder in Online-Foren vernetzt gewesen seien, sagte der Ermittlungschef des österreichischen Bundeskriminalamtes, Gerald Tatzgern.

Das deutsche Innenministerium erklärte, neben der Aufklärung der einzelnen Sachverhalte werde auch geprüft, ob mögliche Zusammenhänge bestünden. «Bislang liegen keine gesicherten Erkenntnisse vor, die auf eine systematische oder landesweit koordinierte Vorgehensweise schliessen lassen.»

Fälle auch im Norden von Europa

In Norwegen gibt es zwei bekannte Fälle, in denen Nadeln in Süssigkeiten gefunden wurden. In einem Fall hat ein 13-jähriges Mädchen eine Nadel in einer Lakritzstange gefunden. Sie habe erst gemerkt, dass sich eine Nadel in der Süssigkeit befand, als sie darauf gekaut habe, berichtete die norwegische Nachrichtenagentur NTB. In einem anderen Fall hat ein Mädchen eine Nadel entdeckt, als sie von einem Schokoriegel abgebissen hat. Auch in Dänemark gab es im Grossraum Kopenhagen einzelne Fälle.

In Irland wurden Medienberichten zufolge in der Grafschaft Donegal kleine Metallnadeln in Halloween-Süssigkeiten gefunden. Ermittler in Irland untersuchen demnach einen Vorfall in den aneinandergrenzenden Kleinstädten Ballybofey und Stranorlar, wie unter anderem der irische Rundfunk RTÉ unter Berufung auf die Polizei, auch Gardaí genannt, berichtet. (dpa/lsm)

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