Für viele war es das Ziel des Sonntagspaziergangs: der Zeitungskasten im Dorf. Hinschlendern, Münzen reinwerfen, am Hebel ziehen, noch stärker ziehen, da er klemmt, und schliesslich eine Zeitung aus dem Schlitz herausfingern. Klingt wie aus einer anderen Zeit. Ein Wunder, dass sich Zeitungsautomaten so lange gehalten haben.
Noch immer befüllt Ringier jedes Wochenende 938 Kästen mit dem «Sonntags-Blick». Doch damit ist nun Schluss. Ende Juli werden sie zum letzten Mal bedient und dann eingesammelt. Die Kästen der «NZZ am Sonntag» und der «Sonntags-Zeitung» sind schon seit Jahren abgebaut, und CH Media setzte nie auf diesen Vertriebskanal. Dem Zeitungsautomaten ergeht es nun also wie der Telefonzelle: Er verschwindet aus dem Stadt- und Dorfbild und mit ihm ein Stück Kulturgut.
Irgendwo in einer Heimatschutzkommission oder in einer Kulturstiftung sollte doch nun ein lauter Aufschrei zu hören sein. Wer macht sich für den Verbleib des Zeitungsautomaten stark? Zumindest ein paar sollten doch erhalten und umfunktioniert werden. Es gibt bestimmt Kunstschaffende, die das Projekt gerne angehen möchten.
Ein paar Ideen: Man könnte die Kästen mit Blumen bepflanzen. Fische darin schwimmen lassen. Oder eine Handvoll USB-C-Kabel installieren und sie zur Ladestation für Handys machen. Am besten noch QR-Codes zu den Zeitungsapps anbringen.
