Die SBB wollen ihren Schüttelzug, den Doppelstöcker FV Dosto, in ruhigere Bahnen lenken. Dazu bauen sie auf eigene Kosten die Drehgestelle für 90 Millionen Franken um. Dabei wird auch die Wankkompensation entfernt, also jene Technologie, die schnellere Kurvenfahrten ermöglichen sollte.
Bei einer kürzlichen Testfahrt zeigte sich Reto Liechti, Leiter Produktion Personenverkehr der SBB, optimistisch: Messungen hätten gezeigt, dass der Zug deutlich weniger schüttelt. Das sei jedenfalls auch die Rückmeldung von Zugbegleitern und Bistro-Mitarbeitenden gewesen. Bis die gesamte Aufrüstung bei allen 62 Zügen abgeschlossen ist, dauert es noch bis Anfang der 2030er-Jahre.
Im Tunnel kann es laut werden
Die Bahn führte im Testzug nicht nur Messungen dazu durch, wie ruckelfrei der Zug dank der Umbauten fährt. Ebenso seien Akustikmessungen durchgeführt worden, sagt eine Sprecherin auf Anfrage von CH Media. Dabei seien die bisherigen Messwerte bestätigt worden. Das heisst, dass der Innenraum-Dauerschallpegel je nach Geschwindigkeit im Bereich von 60 bis 79 Dezibel liegt.
Ein CH-Media-Leser hat derweil eine deutlich höhere Lärmbelastung festgestellt. Bei einer Fahrt durch den Gotthard-Basistunnel mass er mit einer App eine Lautstärke zwischen 79 und 89 Dezibel, was etwa dem Geräuschpegel eines lauten Küchenmixers entspricht. Der Passagier kritisiert deshalb die unzureichende Schalldämmung im FV-Dosto, «eine weitere Schwachstelle dieses Zuges».
Darauf angesprochen heisst es bei den SBB, «ein dauerhaftes Innenraumgeräuschniveau von 89 Dezibel» sei mit den Referenzwerten nicht vereinbar und «nicht nachvollziehbar».
Die unterschiedlichen Ergebnisse könnten damit zusammenhängen, dass Schallmessungen per Handy nicht immer zuverlässig funktionieren. Das Mikrofon eines Handys ist darauf ausgelegt, Stimmen aufzunehmen, nicht den Schall. Je nach Gerät schwanken die Messergebnisse zudem stark.
Während der geplante Dosto-Umbau bei den Drehgestellen keinen Einfluss auf die Akustik haben wird, setzen die SBB andernorts an. So will die Bahn Verbesserungen bei der Lüftung und der Klimaanlage erreichen. «Im Rahmen dieser Massnahmen werden im Oberdeck an den Wagenenden Massnahmen zur Abdichtung an den Lüftungskanälen getroffen, die auch den akustischen Komfort erhöhen», so eine Sprecherin. Diese Arbeiten sollten bis Ende 2027 abgeschlossen sein.
Neben solchen Eingriffen müssen die SBB den Dosto auch für den Normalbetrieb fit halten. Da die Garantiefrist des Herstellers Alstom kürzlich ausgelaufen ist, müssen die Bundesbahnen auch sämtliche sogenannten «korrektiven Instandhaltungen» übernehmen. Diese umfassen ein breites Spektrum an Arbeiten, von Geräte-Resets bis zu aufwändigeren Reparaturen wie etwa dem Austausch von Motoren. Dafür haben die SBB kürzlich einen entsprechenden Auftrag über 2 Millionen Franken freihändig vergeben - an Alstom.

