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Iran-Krieg

Kämpfen die Kurden jetzt gegen die Iraner und was können sie erreichen? Eine Analyse unseres Kriegsreporters

Berichten zufolge werden Kurden im Norden des Irans von Amerikanern bewaffnet und trainiert. Kann das überhaupt sein? CH-Media-Kriegsreporter Kurt Pelda ordnet im Video ein.

Israelische Medien zitieren amerikanische und israelische Offizielle und berichten von einer Invasion kurdischer Kämpfer im Westen Irans. Von Hunderten ist die Rede. Iranisch-kurdische Widerstandsgruppen dementieren das. Auch die kurdische Regionalregierung im Nordirak weist entsprechende Berichte indirekt zurück und führt Gespräche mit Teheran. Von dem her ist im Moment einfach nicht klar, was dort wirklich passiert.

Offenbar versuchen die USA und Israel, kurdische Widerstandsgruppen zu Angriffen im Westiran zu motivieren. Wie die Lage vor Ort ist, was stimmt und was nicht, lässt sich im Moment jedoch nicht verlässlich sagen.

Was passiert gerade in den kurdischen Gebieten im Norden des Irans?

Die Iraner schiessen ihre Rakete und Drohnen auf alle, die nicht bei ihnen im Boot sitzen. Das heisst, sie schiessen auf die arabischen Nachbarn auf der anderen Seite des Persischen Golfs und sie schiessen mittlerweile auch in den Irak. Das ist nicht neu. Teheran hat wiederholt amerikanische Stützpunkte im Nordirak und kurdische Siedlungsgebiete angegriffen.

Die Kurden leben im Irak, Iran, in der Türkei und in Syrien. Einen eigenen Staat haben sie nicht. Im Nordirak verfügen sie jedoch seit Jahren über weitgehende Autonomie, faktisch war die Region zeitweise nahezu ein eigener Staat. Dort haben sich auch iranisch-kurdische Widerstandsgruppen niedergelassen.

In den vergangenen Tagen hiess es, die USA und Israel wollten diese Gruppen zu Angriffen im Iran bewegen. Dem wollte der Iran zuvorkommen.

Hat die CIA die kurdischen Gruppen mit Waffen ausgerüstet?

Es gibt die Gerüchte. Die meisten dieser Organisationen im Nordirak sind aber bereits bewaffnet. Viele kämpften gemeinsam mit den USA und irakischen Kurden gegen den «Islamischen Staat».

Entscheidend ist die Frage, ob die Kurden erneut in einen bewaffneten Konflikt ziehen wollen. Mehrere iranisch-kurdische Gruppen haben das öffentlich verneint. Klar ist hingegen: In sozialen Medien tobt ein Informationskrieg. Zahlreiche kurdische Accounts – oft betrieben aus Europa oder den USA – behaupten Dinge, von denen man nicht weiss, ob sie stimmen.

Kann ein kurdischer Aufstand im Iran gut gehen?

Natürlich könnte eine bewaffnete Aktion, die Unterstützung von den israelischen und amerikanischen Luftwaffen hat, erfolgversprechend sein. Ihre Flugzeuge und Drohnen können alles wegbomben, was im Weg dieser  potenziellen Angriffe stehen würde.

Allerdings: Kurden machen im Iran vielleicht 12 Prozent der Bevölkerung aus. Ihre Siedlungsgebiete sind im äussersten Westen des Irans. Es ist also völlig illusorisch, sich vorzustellen, dass jetzt eine kurdische Armee vom Nordirak aus durch das gebirgige Territorium 500 Kilometer durchmarschieren bis Teheran.

Ich bin im Moment noch skeptisch. Die USA haben Kurden wiederholt für eigene Ziele eingespannt, etwa im Kampf gegen den IS in Syrien und im Irak. 2017 liessen sie die irakischen Kurden beim Unabhängigkeitsreferendum im Stich. Präsident Donald Trump unterstützte das Votum nicht – am Ende wurde es zum Debakel für die Kurden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand in diesen kurdischen Gebieten das vergessen hat.

Wieso können all die verschiedenen kurdischen Gruppen ihre Kräfte nicht bündeln?

Ansätze gibt es. Fünf bewaffnete iranisch-kurdische Organisationen haben sich zu einer Koalition zusammengeschlossen, kürzlich stiess eine sechste dazu. Der Wille zur Einigung ist erkennbar.

Historisch jedoch sind die Kurden zersplittert. Es gibt linke Kräfte wie die PKK, daneben nationalistische und auch kommunistische Gruppen. Unterschiedliche Ideologien und Zukunftsvorstellungen prägen die Szene. Die Bruchlinien sind tief – und wie die USA oder Israel diese überwinden wollen, ist offen.

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