
Von Gaudenz Oetterli
«Wir treten an, um zwei Sitze zu holen», sagt Peter Brudermann. Er ist der Initiant der Freien Liste und kandidiert unter dieser Flagge zusammen mit Bruno Greder. Das Potenzial, dieses hochgesteckte Ziel zu erreichen, ist laut Brudermann vorhanden. «Unsere Liste spricht Eltern an, die wie wir nicht zufrieden sind mit der Kommunikation im Bereich Bildung.
Davon gibt es in Selzach viele.» Zudem lägen 30 Prozent SVP-Wähleranteile (Kantonsratswahlen) am 17. Mai brach, da die Partei nicht für den Gemeinderat kandidiere. «Wir hoffen, mit unseren Zielen im Dorf rund 15 Prozent dieser Wähler für uns gewinnen zu können, da wir gegen den vorherrschenden Einheitsbrei in der Gemeindepolitik antreten», so Brudermann.
Sitze halten als Zielsetzung
Nimmt man die Resultate der vergangenen zwei Wahlen als Vergleich, ist die SP durch die Freie Liste am meisten bedroht. Die Sozialdemokraten sicherten sich jeweils das Restmandat und kamen auf drei Sitze.
«Die Gefahr besteht, das Restmandat zu verlieren. Unschön dabei ist, dass Brudermann früher Mitglied unserer Partei war», so SP-Ortsparteipräsident Stephan von Büren, «Aber ich denke, die Situation rund um das Restmandat gleicht sich aus, da die Freie Liste auf bürgerliche Stimmen aus ist und vor allem die politische Rechte anspricht.» Trotz Schwierigkeiten haben sich die Genossen zum Ziel gesetzt, die drei Sitze zu halten. Immerhin treten zwei Bisherige und zwei Ersatzmitglieder auf der Sechserliste an.
Sogar mit sieben Personen auf der Liste tritt die CVP an. Mit Eduard Flury und Margrit Trachsel treten hier zwei Bisherige nicht mehr an. Gemeindepräsident Viktor Stüdeli und Andreas Zuber sind wieder auf der Liste zu finden. Ebenso wie das bisherige Ersatzmitglied Roland Flury. Neu dabei sind bei den Christdemokraten drei Gesichter. Ansonsten wäre der CVP ein Status quo lieb. «Die Verteilung im Rat ist momentan gut. Aus diesem Grund haben wir uns zum Ziel gesetzt, unsere vier Sitze zu halten», erklärt Viktor Stüdeli.
Freie Liste sorgt für Ungewissheit
Ein bisschen hungriger zeigen sich die Freisinnigen. Sie waren bisher zu viert im Rat. «Der Status quo ist unser Minimalziel. Das letzte Mal haben wir das Restmandat nur sehr knapp an die SP verloren. Es läge also drin, sich diesen Sitz zu holen», erklärt Christoph Scholl, Ortsparteipräsident der FdP.
Er kann neben sich selbst auf zwei weitere Bisherige vertrauen. Lediglich Daniel Fischer steht für eine weitere Legislatur nicht mehr zur Verfügung. Die Liste komplettieren ein bisheriges Ersatzmitglied und drei Neue. Scholl räumt aber auch ein, dass die Situation mit den beiden Kandidaturen der Freien Liste ungewisser geworden sei.
Gewissheit herrscht hingegen bei der Wahl des Gemeindepräsidenten. Viktor Stüdeli wird für seine sechste Legislatur kandidieren. Weder SP noch FdP wollen ihm laut Aussagen der Parteipräsidenten den Sitz streitig machen. Bleibt Peter Brudermann von der Freien Liste: «Erreiche ich bei den Gemeinderats-Wahlen zwei Drittel der Stimmen von Stüdeli, werde ich eine Kandidatur für das Präsidium ins Auge fassen.»