Die Swisscom testet in einem ihrer Blue-Kinos die Aufhebung der Pause (CH Media berichtete). In einer nicht repräsentativen CH-Media-Onlineumfrage spricht sich eine kleine Mehrheit dagegen aus. Allerdings: Auch die französische Kinokette Pathé zeigt Filme hierzulande seit Jahren ohne Unterbrechung.
Das Familienunternehmen Sterk hingegen, das in Baden zwei Kinos mit insgesamt sieben Sälen betreibt, hält an der Pause fest. Seit 1899 ist die Familiendynastie im Kinogeschäft tätig. Geschäftsführerin Alexandra Sterk leitet die Firma seit 2010 gemeinsam mit ihren Geschwistern. Im Interview bezieht sie Stellung.
Frau Sterk, die Swisscom-Kinokette Blue testet Vorführungen ohne Pause. Wie handhaben Sie das?
Alexandra Sterk: Grundsätzlich haben alle unsere Filmvorführungen eine Pause. Eine Ausnahme machen wir lediglich bei Filmen mit einer Laufzeit von unter 60 Minuten sowie bei Premieren, bei denen Mitglieder der Filmcrew dabei sind, seien es Schauspieler oder Regisseure.
Und das bleibt so, obwohl auch Pathé und andere Kinobetreiber keine Pause kennen?
Ja, wir werden auch künftig an der Filmpause festhalten. Wir möchten uns bewusst von den grossen Kinoketten unterscheiden und unseren Gästen ein klassisches Kinoerlebnis bieten.
Was spricht denn für eine Pause?
Gerade bei Kinderfilmen und längeren Produktionen erachten wir eine Pause als elementar. Ohne Pause verlassen Besucherinnen und Besucher während der laufenden Vorstellung häufiger den Saal, etwa für einen Toilettengang, eine Raucherpause oder um am Kiosk etwas zu kaufen. Das sorgt für Unruhe und wird von vielen Gästen als störend empfunden. Eine gemeinsame Pause bündelt diese Unterbrechungen und trägt zu einem angenehmeren Filmerlebnis für alle bei.
Aber sie unterbricht den Filmfluss.
Das sehe anders. Die Filmpause hat nicht nur einen praktischen Nutzen. Sie gehört für viele Gäste zum Kinoerlebnis dazu. Sie bietet Gelegenheit, sich kurz die Beine zu vertreten, sich über den bisherigen Film auszutauschen oder gemeinsam etwas zu trinken. Gerade als unabhängiges Kino legen wir grossen Wert auf dieses gemeinschaftliche Erlebnis.
Ebenfalls wichtig dürften die Umsätze sein, die Sie in der Pause mit Snacks erzielen.
Natürlich. Die Gastronomie ist für unseren Kinobetrieb von grosser wirtschaftlicher Bedeutung. Rund 30 Prozent unseres Gesamtumsatzes erzielen wir mit dem Verkauf von Popcorn, Getränken und weiteren Kioskartikeln. Auf diese Einnahmen könnten wir nicht verzichten.
Andere können es. Wieso Sie nicht?
Die Einnahmen aus der Gastronomie tragen zudem dazu bei, dass wir unsere Eintrittspreise im Vergleich zu den grossen Kinoketten bewusst moderat halten können. Die Pause ist für uns deshalb nicht nur ein wichtiger Bestandteil des Kinoerlebnisses, sondern auch ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor, der den langfristigen Betrieb eines unabhängigen Kinos ermöglicht.
Anmerkung: Das Interview wurde schriftlich geführt.



