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Analyse

Der Iran ist schwach, aber vor dieser einen Macht bricht Trump ein

Niemand kann den US-Präsidenten bändigen. Ausser die Öl- und Aktienpreise. Erstaunlich ist bloss, dass ihm die Marktakteure weiterhin glauben.

Amerika hat die stärkste Armee und die grösste Volkswirtschaft, und deshalb ist sein Präsident der mächtigste Mann der Welt. Trump spielt diese Trümpfe entschlossener und rücksichtsloser aus als seine Vorgänger. Er scheint keine Grenzen zu kennen.

Ein Irrtum, wie sich zum zweiten Mal zeigt. Gegen die Märkte kommt auch Trump nicht an. Als nach seinem Zoll-Hammer im April 2025 die Aktienkurse und US-Staatsanleihen sanken, krebste der US-Präsident umgehend zurück. Und nun, im Iran-Krieg, zeigt sich das Phänomen erneut. «Taco» - am Ende macht Trump immer einen Rückzieher.

Seine Macht endet am Börsenticker der Wall Street: Donald Trump.
Bild: Richard Drew

Nachdem der Ölpreis um rund 50 Prozent gestiegen war und am Montag die Aktienkurse einbrachen, bekam es Trump mit der Angst zu tun. Er weiss: Höhere Preise an der Zapfsäule und tiefere Bewertungen der Altersguthaben werden ihm seine Wähler nicht verzeihen. Also sagt er, nachdem er davor Amerika auf einen längeren Krieg eingeschworen hat: Der Krieg sei «praktisch vorbei», es gebe «militärisch nichts mehr» in dem Land.

Typisch Trump. Wie weit er bei seiner neuen Taco-Pirouette geht, zeigt seine Andeutung, dass er sogar den Ölboykott der USA gegen Russland kippen könnte. Prinzipien sind bei ihm eine Frage des Preises.

Erstaunlicher als das ist das Vertrauen der Märkte in Trumps Wort. Sein beiläufiger Satz, der Krieg sei praktisch beendet, liess den Ölpreis innert Stunden fallen und die Aktienkurse anziehen.

Es ist eine eigentümliche Symbiose: Die Märkte, und nur sie, können Trump bändigen. Und wenn er ihnen gehorcht, belohnen sie ihn. Womöglich hat der US-Präsident die regelbasierte Ordnung beendet. Die Regeln des Marktes aber spielen wie eh und je.

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