Immobilien

Enttäuschende Wende: Die Schweiz baut mehr Wohnungen – aber noch immer zu wenige

Eine neue Studie zeichnet ein enttäuschendes Bild – mit einem grossen Lichtblick.

Jetzt entstehen in der Schweiz mehr neue Wohnungen. Das ist die gute Nachricht aus einer neuen Studie von Wüest Partner. Die schlechte Nachricht lieferte das Beratungsbüro jedoch gleich mit: Für eine wirkliche Entspannung der Lage wird noch auf Jahre hinaus zu wenig gebaut. Dennoch gibt es eine Hoffnung auf eine wirkliche Besserung, allerdings erst im Kleinen, in wenigen Gemeinden.

Der Reihe nach. Die aktuelle Lage wurde diese Woche in einem neuen Bericht des Bundesamts für Wohnungswesen beschrieben. Im Jahr 2025 und im ersten Halbjahr 2026 habe sich die Lage «weiter verschärft» und bleibe «angespannt». Vor allem gilt dies im Grossraum Zürich, in der Zentralschweiz und in verschiedenen Bergregionen.

Das Problem ist altbekannt: Der Bau kommt zu langsam voran – die Nachfrage wächst weit schneller. Wohnungen sind knapp. Daher klang es wie eine Wende, was das Beratungsbüro Wüest Partner vermeldete: «Aufschwung im Wohnungsbau».

Trotz Knappheit war die Zahl der neu hinzugekommenen Wohnungen nämlich jahrelang zurückgegangen. In den Jahren 2024 und 2025 hatte sie ein Tief erreicht. Doch dieses und nächstes Jahr kommt die Wende. 2027 werden 50'000 neue Wohnungen auf den Markt kommen und damit verglichen mit dem Tiefstand immerhin 25 Prozent mehr.

Das sind grosse Zahlen für die kleine Schweiz, doch gross ist auch der Mangel an Wohnraum – und deshalb konnte Wüest Partner keinen Aufschwung  vermelden, der eine Wende herbeiführt, sondern bloss einen Aufschwung, der «Entspannung, aber keine Entwarnung bringt».

Für eine Entwarnung wird noch immer zu wenig gebaut. In rund der Hälfte der Kantone bleibt der Bau sogar hinter dem langjährigen Durchschnitt zurück. Deshalb wird die Knappheit schweizweit lediglich «etwas gemildert». Insbesondere in den Grosszentren bleibe die Lage angespannt.

Das bedeutet: Nachdem es jahrelang in die falsche Richtung ging, also laufend weniger Wohnungen auf den Markt kamen, gibt es noch immer keine richtige Wende zum Besseren. Die Schweiz bekommt bloss eine enttäuschende Wende.

Und es wird noch trister. Selbst mit dieser enttäuschenden Wende könnte  es bald wieder vorbei sein. Robert Weinert, Experte bei Wüest Partner, sagt nämlich auf Anfrage: «Der Aufschwung lebt wesentlich von noch vorhandenen Baulandreserven».

Dazu muss man wissen: Die Schweiz wird seit Jahren vom Problem geplagt, dass sie sich mit dem verdichteten Bauen schwer tut. Zwar hat sie sich ein neues Raumplanungsgesetz gegeben und baut nun tatsächlich weniger auf grünen Wiesen – aber nicht genug auf besiedelten Flächen. Das verdichtete Bauen wollte nicht recht gelingen.

In der Studie von Wüest Partner zeigt sich jetzt: Die Schweiz ist nur teilweise besser geworden im verdichteten Bauen. Sie hat nicht dort mehr gebaut, wo es schon etwas gab, sondern dort, wo noch nichts oder kaum etwas stand, eben auf noch «vorhandenen Baulandreserven.» Und von denen gibt es nicht mehr viele.

«Solange der Aufschwung wesentlich von noch vorhandenen Baulandreserven lebt, hat er eine begrenzte Reichweite», sagt Experte Weinert deshalb. «Ob er doch noch mehr Schwung gewinnt, hängt davon ab, wie schnell wir die Verdichtung breiter zulassen.»

So weit, so ernüchternd. Aber einen Hoffnungsschimmer gibt es dennoch: Dass alles einfach mehr Zeit braucht. Laut Experte Weinert gibt es trotz allem bereits Gemeinden, in denen die Verdichtung sichtbar vorankomme, etwa Dübendorf ZH oder Bülach ZH. Basel gehe mit seinen zahlreichen Wohnhochhausprojekten einen ähnlichen Weg. «Die Verdichtung blockiert nicht zwingend das Bauen in der Schweiz – sie macht es nur deutlich langsamer.»

Mehr zum Thema:

Mehr zum Thema:

Mehr zum Thema: