Zuerst kam die Warnung aufs Mobiltelefon, dann die Explosionen. In der Nacht zum Samstag hatte der saudische Zivilschutz die Einwohner der Hauptstadt aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben und sich von den Fenstern fernzuhalten. Bald darauf meldeten Augenzeugen heftige Explosionen. Am Morgen stand eine dichte schwarze Rauchsäule über dem Flughafen King Khalid der saudischen Hauptstadt.
Saudi-Arabien reagierte auf die Raketenangriffe der Huthi spät und knapp. Alle anfliegenden Projektile seien zerstört worden, hiess es aus Riad. Das weithin sichtbare Grossfeuer am Flughafen wurde zumindest offiziell nicht mit dem Angriff der Huthi in Verbindung gebracht.
Die Huthi erklärten, sie hätten mit Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen «sensible Ziele» in Riad sowie Aramco-Anlagen in Yanbu am Roten Meer angegriffen. Ihre Darstellung konnte von unabhängiger Seite bisher nicht überprüft werden.
Der von Beobachtern als spektakulär beschriebene Angriff auf den Flughafen von Riad könnte auch den US-Präsidenten alarmiert haben: Donald Trump hätte das Wochenende eigentlich bis zum Sonntag in Camp David verbringen sollen. Stattdessen flog er am Samstagabend zurück ins Weisse Haus. Eine offizielle Begründung veröffentlichte das Weisse Haus zunächst nicht.
Das US-Aussenministerium warnte vor einer möglichen raschen Eskalation; mehrere US-Botschaften in der Region riefen Amerikaner zu erhöhter Vorsicht auf. Der CNN-Sicherheitsanalyst Alex Plitsas schrieb auf X, ihm sei gesagt worden, das Treffen in Camp David habe der Prüfung von Optionen für Schläge im Jemen gedient.
Der Fokus der Amerikaner liegt auf der Strasse von Hormus
Nach Berichten von CBS News und Axios, die sich auf anonyme Quellen stützen, habe Kronprinz Mohammed bin Salman Trump in den vergangenen Wochen mehrfach zu Schlägen gegen die Huthi gedrängt. Trump habe abgelehnt und Aufklärung und Zielunterstützung angeboten. Laut Axios hätten die Streitkräfte die Weisung erhalten, ihre Kräfte auf den Iran und die Strasse von Hormus zu konzentrieren.
Erst am Donnerstag hatte Trump gegenüber Axios erklärt, er stehe vor einer «grossen Entscheidung»: ob er das iranische Regime «auslöschen» wolle oder nicht. «Bei mir kann alles passieren», sagte er. Am Dienstag trifft der US-Präsident am Rande der UNO-Generalversammlung die Staats- und Regierungschefs von sechs Golfstaaten, darunter Saudi-Arabien. Bei der Zusammenkunft sollten «wegweisende Schritte» ausgelotet werden.
Arabische Analysten bezeichneten die Angriffe der Huthi auf Riad als einen Warnschuss. Die Huthi seien in der Lage, die gesamte saudische Ölindustrie lahmzulegen, sagte Mohamad Elmasry, Professor am Doha Institute for Graduate Studies, dem Fernsehsender Al Jazeera. Einen Kriegseintritt der USA hält Elmasry für unwahrscheinlich. Er könne es aber nicht ausschliessen, sollte Konflikt weiter eskalieren.
Elmasry verweist darauf, dass die Huthi von Beginn an erklärt hätten, die Meerenge Bab al-Mandab - deutsch: Tor der Tränen - nur für die Saudis zu sperren; eine grössere Truppenentsendung würde ihn deshalb überraschen. Auch amerikanische Handelsschiffe konnten die Meerenge bislang passieren.
Wird Italien unversehens zur Kriegspartei?
Um italienischen Handelsschiffen die Durchfahrt durch das Tor der Tränen zu gewährleisten, schickt Rom eigene Kriegsschiffe. Seit der Ankündigung von Verteidigungsminister Guido Crosetto, in die von den Huthi-Rebellen kontrollierte Meerenge vier Fregatten zu entsenden, bis zum ersten Warnschuss der von Iran unterstützten Miliz sind gerade einmal 24 Stunden vergangen: Am Donnerstag kündigte Crosetto die Marine-Mission an, am Freitag wurde auf dem saudi-arabischen Luftwaffenstützpunkt Taif ein Eurofighter der italienischen Luftwaffe von einer mutmasslich von der Huthi-Miliz abgefeuerten Drohne getroffen. Personen kamen nicht zu schaden.
Trotzdem hat der Beschuss gereicht, um in der italienischen Opposition und in Teilen der Bevölkerung Kriegsängste auszulösen, zumal die meisten Italienerinnen und Italiener keine Ahnung davon hatten, dass ihre Luftwaffe an der Seite von Saudi-Arabien Einsätze fliegt. Die Tageszeitung «Il Fatto Quotidiano», die der Fünf-Sterne-Protestbewegung nahesteht, beschuldigte die Regierung, sich in einen Konflikt hineinziehen zu lassen, ohne die Bevölkerung und ohne das Parlament zu informieren. Bei Kampfeinsätzen ist das jedoch vorgeschrieben.
Am Wochenende versuchten nicht nur Crosetto, sondern auch Aussenminister Antonio Tajani zu beschwichtigen. «Italien befindet sich nicht im Krieg», betonten die beiden Minister unisono bei verschiedenen Gelegenheiten.

