Lüften bringt längst nichts mehr, der Ventilator wälzt vergeblich durch das schwüle Zimmer. Wem dieser Tage der Schweiss auch nachts von der Stirn rinnt, sucht tagsüber händeringend ein mobiles Klimagerät. Und scheitert. Schweizer Elektronikhändler können den aktuellen Bedarf kaum decken. Bei einem Onlineanbieter muss man sich für das beliebteste Modell (mit dem wohlklingenden Namen «Pinguin») wochenlang gedulden. Bis dann ist womöglich schon die dritte Hitzewelle abgeebbt.
Die Geräte versprechen Linderung, haben aber auch grössere Defizite. Weil sie bei offenem Fenster einen Unterdruck verursachen, saugen sie warme Luft ins Zimmer. Das macht sie ineffizient und zu Stromfressern. Auf den Energiemärkten lässt sich dieser Effekt bereits beobachten: Gegen Abend steigt derzeit der Strombedarf, sodass kurzfristig sogar Gaskraftwerke aushelfen müssen. Fossile Energie als Mittel gegen die Folgen des Klimawandels – da löscht man im wahrsten Sinn den Brand mit Benzin.
Split-Geräte sind energieeffizienter
Viel schlauer wären sogenannte Split-Geräte, also fest installierte Klima-Anlagen, die auch nachts weitgehend geräuschlos laufen. Das Problem: Für diese braucht es in der Regel eine Baubewilligung. Die Schweiz hinkt bei der Bewältigung zunehmender Wetterextreme hinterher. Mit möglicherweise katastrophalen Folgen für vulnerable Gruppen wie ältere Menschen und anderen, die der Hitze schlecht ausweichen können.
Die Begründung für die administrative Hürde ist häufig der Lärmschutz. Dabei, sind wir mal ehrlich: Das Aussengerät einer modernen Klimaanlage ist heutzutage nicht lauter als eine Wärmepumpe. In einem Abstand von drei Metern entsprechen sie dem Surren eines Kühlschranks.
Hier liegt politisches Potenzial. Wer eine Solaranlage installiert, soll künftig im Gegenzug von einem stark vereinfachten Bewilligungsverfahren für eine Klima-Anlage profitieren. Und um die Bedarfsspitzen zu brechen, kombiniert man die PV-Anlage idealerweise mit einer kleinen Batterie im Keller – deren Preise ohnehin schon seit Monaten purzeln. Im Sommer kann man dann ohne schlechtes Gewissen kühl schlafen und gegen die Winterstromlücke helfen die zusätzlichen Solarmodule ebenfalls mit.
Diese Kombination macht nicht nur energetisch Sinn, es spart auch noch doppelt Geld: bei den Fördertöpfen und beim Abbau der Bürokratie. Mittel, die man in den ohnehin schon teuren Kampf gegen den Klimawandel stecken kann.
Mehr Lebensqualität kurbelt die Wende an
Die ehemalige Energieministerin Simonetta Sommaruga erinnerte in fast jeder Rede zum Ausbau der Erneuerbaren an die Elektrifizierung der Eisenbahn, welche die Schweiz aus der Kohle-Abhängigkeit katapultierte und einen Wohlstandsschub auslöste. Was dabei gerne vergessen geht: Dieses Generationenprojekt ermöglichte den Leuten vor allem eine deutlich höhere Lebensqualität. Der Ausbau der dafür nötigen Grosskraftwerke brachte den Strom in die Haushalte. Elektrizität wurde günstiger und plötzlich auch für Private erschwinglich.
Subventionen können den Charme von mehr Lebensqualität niemals aufwiegen. Verbote sind zwar häufig effektiv, sorgen aber für Missmut und sind an der Urne akut absturzgefährdet – das leidige CO2-Gesetz lässt grüssen.
Der Kampf gegen den Klimawandel wird dann erfolgreich sein, wenn er den Menschen nicht nur Verzicht verspricht, sondern auch einen konkreten Gewinn an Lebensqualität. Genau das war einst das Erfolgsrezept der Elektrifizierung: Sie war kein moralisches Projekt, sondern ein Fortschrittsprojekt. Vielleicht braucht die Energiewende heute wieder etwas mehr von diesem Geist – und dieser wohnt bekanntlich am besten in einem kühlen Kopf.

