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Geld

Happy Birthday, lieber Franken: Seit 175 Jahren gibt es die Schweizer Währung

Beinahe wäre statt dem Franken in der Schweiz der Gulden eingeführt worden. Vor genau 175 Jahren entschied sich das Parlament aber für den Franken. Auch die Bundespräsidentin gratuliert dem Jubilar.
Die stehende Helvetia ziert in der Schweiz gleich mehrere Münzen.
Bild: Keystone

Beinahe hätte es nie Rappenspalter gegeben. Als es nach der Gründung des Bundesstaats darum ging, die Währung zu vereinheitlichen, öffnete sich ein Münzgraben. Die Westschweizer Kantone, Bern und Basel wollten den Franken nach dem französischen System, der Rest favorisierte den Gulden.

Knapp achtzig prägeberechtigte Münzherren gab es vor 1848 in der Schweiz. Bezahlt wurde je nach Region in Batzen, Taler, Schilling, Rappen oder sonst wie. Wer durch die Schweiz reiste, musste entweder gleich mehrere Währungen mitführen oder ständig in Wechselstuben rennen, damit die Auslagen bezahlt werden konnten.

In der ersten Verfassung wurde beschlossen, das Münzwesen zu zentralisieren und dem Währungswirrwar ein Ende zu bereiten. Nur wie? Schon damals setzte der Bund auf Expertenberichte: Der Basler Bankier Johann Jakob Speiser empfahl die Einführung des Frankens, da er sich so einen besseren Zugang zur Weltwirtschaft erhoffte. Das überzeugte das Parlament. Der Franken war geboren.

Hundert Teile Rappen machen einen Franken

«Fünf Grammen Silber, neun Zehntheile (9/10) fein, machen die schweizerische Münzeinheit aus, unter dem Namen Franken», heisst es in Artikel 1 im Bundesgesetz über das eidgenössische Münzwesen vom 7. Mai 1850. Und in Artikel 2: «Der Franken theilt sich in in hundert (100) Rappen (Centimes).»

Das Bundesgesetz von 1850.
Bild: Screenshot

Seither hat sich vieles in dieser Welt verändert. Aber den Franken, den gibt es immer noch. Und er besteht immer noch aus 100 Rappen.

All die Lira, die Marks und gar der Franc, an den der Franken angelehnt war, sind mittlerweile verschwunden. Aufgelöst im Euro. Der Franken bleibt der Franken. Das aktuelle Franken-Befinden ist neben dem Wetterbericht die einzige Konstante in den Radionachrichten. Egal, wie brenzlig die Weltlage gerade ist, am Ende gibt es immer noch den Wechselkurs – «und nun zum Wetter».

Von «stabil» bis «sicherer Hafen»

«Die Schaffung des Schweizer Frankens 1850 war ein wichtiges Element der Vereinheitlichung des Schweizer Wirtschaftsraums und damit Voraussetzung für die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung in der Schweiz», sagt Martin Schlegel. Er ist Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank und somit so etwas wie der oberste Hüter des Schweizer Frankens. Es ist eine eher nüchterne Gratulation an sein wichtigstes Instrument.

Wenn heutzutage vom Franken die Rede ist, dann hat er meistens ein Attribut. Er ist «stark», «stabil», «ein sicherer Hafen», wahlweise «über»- oder «unterbewertet», und vielfach steht er auch einfach «unter Druck».

Darum hier die etwas besorgte Frage: Wie geht es dem Franken?

Währungstechnisch ist er gerade in einer «starken» Phase. Der Wert steigt. Das ist erfreulich für Schweizerinnen und Schweizer, die ins Ausland reisen und vergünstigt Importwaren einkaufen. Weniger erfreulich ist es für Touristen, die in die Schweiz kommen, und für die Exportindustrie.

Aber der Franken ist mehr als nur die «Währung». Er ist auch das «Zähni» und der «Fünfliber». All die Batzeli im Münzfach des Portemonnaies und in den Sparsäuli in den Kinderzimmern. Das Bargeld, die Münzen und Noten des Frankens, ist nicht «stark», sondern eher «unter Druck».

Digitale Bezahldienste verdrängen das immer mehr. Beobachtung beim Mittagessen in Bern: Von fünfzehn Leuten bezahlt nur eine Person bar. Sonst: Twint, Apple Pay und Kreditkarte. Seit 2022 geht der Notenumlauf in der Schweiz zurück. 2024 waren Banknoten im Wert von rund 73 Milliarden Franken ausgegeben. Drei Jahre zuvor waren es noch 88 Milliarden gewesen.

Ein Zweifränkler aus dem Jahr 1850.
Bild: Schweizerisches Nationalmuseum

Während die Banknoten oft ein komplett neues Erscheinungsbild erhalten, haben sich die Münzen nur gemächlich verändert. 1850 zierte die meisten Münzen noch eine sitzende Helvetia. Mittlerweile musste die Frauenfigur aufstehen – zumindest auf dem Zwei- und dem Einfränkler. Auf dem Fünfliber ist seit 1922 ein Alphirte abgebildet, der oft fälschlicherweise für Wilhelm Tell gehalten wird. Auf dem Fünf-, dem Zehn- und dem Zwanzigräppler ist ein Libertas-Kopf abgebildet, der wiederum oft als Helvetia missinterpretiert wird.

Keller-Sutter: Franken stärkte nationale Identität

Für all diese stehenden Helvetias, Alphirten und papierigen Kollegen ist gar eine Initiative hängig. Diese will die Versorgung mit Bargeld in die Verfassung schreiben. Allerdings nicht aus nostalgischen oder münzsammlerischen Gründen, sondern aus einem Grundmisstrauen gegenüber dem Staat. Denn digitale Zahlungen sind deutlich einfacher zu überwachen. Es ist die Furcht vor dem gläsernen Bürger und nicht Rettungsaktion für die silbernen Münzen.

«Die Einführung des Schweizerfrankens war ein Akt der Zusammenarbeit und des Zusammenhalts», sagt Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter über den Jubilaren auf Anfrage. Es sei ein gutes Beispiel dafür, «wie das Zurückstellen von Einzelinteressen zugunsten des Gemeinwohls zu langfristigem Nutzen für alle führen kann».

Der damals noch junge Bundesstaat habe damit Mut und Weitsicht bewiesen, «was unter anderem die wirtschaftliche Modernisierung der Schweiz förderte und ihre nationale Identität stärkte», so die Bundespräsidentin, die gelegentlich im Ruf steht, eine Rappenspalterin zu sein – oder zumindest jeden Franken mindestens zweimal umzudrehen.