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Demo eskaliert

Die Schande von Bern: Wüste Ausschreitungen an Gaza-Demo

Zerstörte Scheiben, brennende Stühle, Angriffe mit Eisenstangen: Bern erlebte am Samstag eine regelrechte Krawalldemo. Über 500 Personen wurden von der Polizei verhaftet.

18 verletzte Polizisten, 536 verhaftete Personen, Schaden in Millionenhöhe: Das ist in Kurzform die Bilanz der Berner Krawalldemonstration vom Samstag. «Es ging diesen Leuten nur um nackte Gewalt», sagte der Stadtberner Sicherheitsdirektor Alec von Graffenried an einer Medienkonferenz. Was als Demonstration für die Menschen im Gaza-Streifen angekündigt war, endete in wilden Strassenschlachten.

Vermummte Demonstranten verstecken sich hinter einem Banner.
Bild: Peter Klaunzer

Nachdem die unbewilligte Kundgebung auf dem Bundesplatz am Weiterzug gehindert wurde, kam es zur Eskalation. «Es flogen zahlreiche Pflastersteine auf die Polizistinnen und Polizisten», sagte Michael Bettschen von der Kantonspolizei Bern. Das Ausmass der Gewalt hat die Beteiligten schockiert. An der Pressekonferenz wurde auch ein Polizeihelm gezeigt, der ein Loch hatte – es rührt von einem Angriff mit einer Eisenstange her.

Beinahe ein altes Restaurant abgefackelt

Die Krawalle kamen nicht überraschend, wie die Behörden betonen. In gewaltbereiten linksextremen Kreisen sei seit Tagen mobilisiert worden. Auch sei offensichtlich ganz bewusst auf eine Bewilligung verzichtet worden. Grosse nationale Parteien und Organisationen hatten sich daher auch im Vorfeld von der Demonstration distanziert. Trotzdem folgten über 5000 Personen dem Aufruf – rund 500 davon waren «Gewaltextremisten», wie von Graffenried sagte.

Diese hielten die Behörden lange in Atem. Nachdem der schwarze Block in einer Seitenstrasse zum Bundeshaus eingekesselt wurde, legten die Chaoten sogar Feuer – in einer Baugrube und mit dem Mobiliar des Restaurants Della Casa, das in einem 500-jährigen Haus untergebracht ist.

Tobias Burkhalter, dessen Kette das Della Casa führt, spricht von schlimmen Szenen. Und Glück im Unglück: Ein Wasserwerfer, der eigentlich vor Ort war, um die Demonstranten unter Kontrolle zu halten, konnte das Feuer löschen. «Sonst hätte das Haus schnell lichterloh gebrannt», sagt Burkhalter. Rund zehn Mitarbeitende des Restaurants suchten im ersten Stock Schutz. Sie waren im Lokal eingeschlossen und konnten nicht raus. Burkhalter sagt, dass die Chaoten mit Hämmern bewaffnet waren.

Kostenüberwälzung auf die Chaoten?

Mehrere hundert Personen aus dem Kessel wurden schliesslich verhaftet und kontrolliert. Bis auf eine Person, die wegen anderer Delikte zur Haft ausgeschrieben war, waren aber alle bereits am Sonntag wieder auf freiem Fuss. Direkt nach den Ausschreitungen sei es schwierig gewesen, den einzelnen Personen konkrete Gewalttaten zuzuordnen, erklärt Michael Bettschen von der Kapo Bern. Das passiere aber jetzt. Den Beschuldigten drohen Verfahren unter anderem wegen Gewalt und Drohungen gegen Beamte oder Landfriedensbruch.

Auch eine Überwälzung der Kosten auf die Chaoten sei denkbar, führte von Graffenried aus. Konkreter wollte er aber noch nicht werden. «Bevor wir über eine solche Massnahme sprechen können, braucht es zuerst Strafverfahren.» Über die Höhe der Kosten für den Polizeieinsatz schwiegen sich die Verantwortlichen aus. Die Polizei war mit einem Grossaufgebot vor Ort. Auch aus mehreren anderen Kantonen wurden Beamte beigezogen.

Sicherheitsdirektor Alec von Graffenried wandte sich aber auch mit dringlichen Worten an jene Personen, die an der Demonstration waren und die Ausschreitungen des schwarzen Blocks toleriert hatten. «Ich würde einem solchen Sauhaufen nicht hinterherzotteln», sagte er. Durch die Krawalle hätte die Demo auch jede Aussage verloren und keine Botschaft gehabt. «Sie war komplett inhaltslos», sagte von Graffenried. Der einzige Zweck sei offensichtlich die Gewalt gewesen.