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Q&A

Rekordjagd beim Goldpreis – kein Ende in Sicht

Der Goldpreis erreicht neue Rekorde – und Experten sehen noch kein Ende. Welche Faktoren die Nachfrage antreiben und welche Rolle geopolitische Unsicherheiten spielen.

Gold ist bei Anlegern so beliebt wie noch nie: Nachdem der Preis für das Edelmetall schon im vergangenen Jahr so stark wie seit 1979 nicht mehr gestiegen ist, hat die Rekordjagd im neuen Jahr weiter an Tempo gewonnen. Am Montag stieg der Goldpreis mit viel Schwung erstmals über die Marke von 5.000 US-Dollar je Feinunze (etwa 31,1 Gramm). Nachdem die Notierung an der Metallbörse in London bereits in den vergangenen Handelstagen immer neue Rekordpreise erreicht hatte, liegt der neue Höchstwert bei 5.111 Dollar.

Gold kostet erstmals mehr als 5000 Dollar.
Bild: Martin Ruetschi

Was ist der stärkste Preistreiber beim Gold?

In den ersten Wochen des Jahres ist die Suche nach einem sicheren Anlagehafen stärkster Preistreiber am Goldmarkt. Geopolitische Risiken wie der US-Angriff auf Venezuela, die Niederschlagung von Massenprotesten im Iran und der Grönland-Streit haben Anleger immer wieder verunsichert. «Eine Verschlechterung der weltweiten geopolitischen Verhältnisse führt in der Regel dazu, dass sowohl private als auch institutionelle Anleger den Goldanteil in ihren Portfolios erhöhen», heisst es in einer Studie der DZ Bank.

Welche Rolle spielt Donald Trump?

Ein Jahr nach dem Amtsantritt wird zunehmend klar, dass US-Präsident Donald Trump die Weltordnung erschüttert hat. Experten erkennen einen klaren Zusammenhang zwischen der starken Nachfrage nach Gold und den Rissen, die mittlerweile in der Weltordnung erkennbar sind. Investoren betrachten das Edelmetall zunehmend als eine Absicherung vor Risiken, die aus der Politik der US-Regierung unter Trump entstehen.

Hinzu kommen ständige Angriffe von Trump auf die US-Notenbank Fed. Deren Vorsitzender Jerome Powell wurde zuletzt immer wieder von Trump heftig kritisiert und beschimpft, was an den Finanzmärkten die Sorge um die Unabhängigkeit der Zentralbank schürt. Befürchtet wird ein Schaden der Zentralbank, der den US-Dollar und amerikanische Staatsanleihen belastet. Investoren suchen daher zunehmend nach Alternativen und setzten verstärkt auf Gold.

Wer sind die Käufer von Gold?

Es sind unter anderem verstärkt Privatanleger, die beim Gold zugreifen. So sehen das zumindest Analysten von Goldman Sachs. Private Investoren können mit dem Kauf von Wertpapieren, die mit physischem Gold hinterlegt sind (Gold-ETFs), an der Rekordjagd teilhaben. Experten gehen davon aus, dass vor allem Anleger in den USA unter den Käufern zu finden sind. «Die Bestände stiegen am stärksten in den USA», sagte Rohstoffexpertin Barbara Lambrecht von der Commerzbank. Ihrer Einschätzung nach sei aber auch in Asien das Kaufinteresse hoch gewesen.

Seit längerem sind es neben Privatanlegern auch Notenbanken, die weiter ihre Goldreserven aufstocken und damit die Nachfrage nach dem Edelmetall hochhalten. Bereits in den vergangenen Jahren haben Zentralbanken von Schwellenländern ihre Reserven stärker umgeschichtet, weg vom Dollar und stärker hin zu Gold. Auch hier dürfte die Politik des US-Präsidenten Trump eine wichtige Rolle spielen bei Überlegungen, unabhängiger von der amerikanischen Währung zu werden.

Allen voran gilt Chinas Notenbank als wichtiger Käufer auf dem Weltmarkt. Zuletzt hat auch die Notenbank von Polen mit Plänen für den Kauf von Gold von sich reden gemacht. Demnach sollen weitere 150 Tonnen auf dem Markt gekauft werden, mit der Begründung, sich stärker vor geopolitischen Instabilitäten abzusichern.

Wie weit kann der Goldpreis noch steigen?

Experten sehen nach der jüngsten Rekordrally immer noch deutlich Luft nach oben. Zuletzt sorgte die US-Investmentbank Goldman Sachs für Aufsehen und setzte das Preisziel für Ende 2026 auf 5.400 Dollar kräftig nach oben. Dabei sehen die Experten auch in der Zinspolitik der US-Notenbank Fed einen wichtigen Preistreiber. Allgemein wird in diesem Jahr fest mit weiter sinkenden US-Zinsen gerechnet. Allerdings noch nicht bei der Entscheidung in der laufenden Woche. Da Gold keine Marktzinsen abwirft, sorgen sinkenden Zinsen beispielsweise für Staatsanleihen für eine stärkere Nachfrage nach dem Edelmetall.

Beim Goldpreis gibt es viele Gründe für den Höhenflug und derzeit scheint für Experten kein Ende in Sicht zu sein. «Längerfristig dürfte sich die Aufwärtsbewegung vor dem Hintergrund der intakten Treiber fortsetzen», heisst es in der Studie der DZ Bank. (dpa)