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Lohnrunde 2024

Gewerkschaften fordern 5 Prozent mehr Lohn und drohen mit Streiks – Arbeitgeber winken ab

Teuerung, höhere Mieten und steigende Krankenkassenprämien: Die Gewerkschaften fordern beim Einkommen eine Trendwende, nachdem die Reallöhne in den vergangenen Jahren gesunken sind. Für die Arbeitgeber sind die Forderungen realitätsfremd.
Im Herbst steht der Schweiz eine heisse Lohnrunde bevor. Die Gewerkschaften künden bereits an, auch vor Kampfmassnahmen nicht zurückzuschrecken.
Bild: Keystone

Der Schweiz steht im Herbst eine heisse Lohnrunde bevor: Die Positionen zwischen den Gewerkschaften und den Arbeitgebern liegen weit auseinander. Für die Gewerkschaften ist klar: Nachdem die Löhne im Jahr 2023 zum dritten Mal in Folge gesunken seien, brauche es jetzt eine Trendwende. Das teilte der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) am Freitag mit. Konkret fordert er: «Es braucht 5 Prozent mehr Lohn.»

Für den SGB ist die Lohnerhöhung notwendig, da alle Preise und die Produktivität gestiegen seien und die Löhne zu lange stagniert hätten. Heute seien die Löhne fast 3 Prozent tiefer als im Jahr 2020 – «obwohl die Wirtschaft gut läuft und die Arbeitslosigkeit tief ist», schreibt der Gewerkschaftsbund. So verharrte die Arbeitslosenquote etwa im Juni bei rekordtiefen 1,9 Prozent.

Bevölkerung hat viel Kaufkraft verloren – und es droht ein weiterer Verlust

Von der guten Konjunktur haben die Arbeitnehmenden jedoch «wenig bis nichts gesehen», hält der SGB fest. Dies im Gegensatz zu den Unternehmen, «die ihre Preise und Margen angehoben haben». Der Lohnrückstand sei mittlerweile gross – und droht noch grösser zu werden.

Denn die finanzielle Lage der Bevölkerung habe sich wegen der Teuerung, steigenden Mieten und Krankenkassenprämien bereits verschlechtert. Im kommenden Jahr drohen weitere Anstiege. Dazu komme die Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0,4 Prozentpunkte, hält der SGB fest und rechnet vor: «Wenn es keine Lohnerhöhung gibt, wird ein Paar mit zwei Kindern im kommenden Jahr 3’000 Franken weniger zur Verfügung haben.»

Für die Gewerkschaften ist daher klar: In dieser Lohnrunde lassen sich die Erwerbstätigen «nicht mehr abspeisen». Im Notfall schrecken sie auch vor Kampfmassnahmen nicht zurück. Sie werden über den Sommer nun die Lohnforderungen und Verhandlungen in den Branchen vorbereiten und den Lohnherbst dann Mitte September mit einer Demonstration in Bern einläuten.

Arbeitgeber kritisieren Argumentation der Gewerkschaften

Für die Arbeitgeber sind die Lohnforderungen dagegen «entgegen den betrieblichen Realitäten», wie der Arbeitgeberverband (SAV) in einer Mitteilung festhält. Übertriebene Lohnforderungen seien schädlich für den Schweizer Wirtschaftsmotor. Eine Erhöhung zwischen 4 bis 5 Prozent sei weder gerechtfertigt noch für die Unternehmen tragbar, betont der SAV.

Ausserdem habe es für 2023 für die Arbeitnehmenden substanzielle Lohnerhöhungen gegeben – auch als Folge des stark ausgetrockneten Arbeitsmarkts. Nun zeichne sich jedoch eine konjunkturelle Abkühlung sowie eine unterdurchschnittliche Produktivitätsentwicklung ab. «Wie hoch der Spielraum für Lohnerhöhungen im kommenden Herbst sein wird, hängt massgeblich vom wirtschaftlichen Verlauf im zweiten Halbjahr ab», schreibt der SAV.

Ganz generell kritisieren die Arbeitgeber die Argumentation der Gewerkschaften, wonach die Lohnerhöhungen nicht bloss den Reallohnverlust kompensieren sollen, sondern auch gleich höhere Mieten und Krankenkassenprämien. Die Meinung, dass die Arbeitgeber auch dafür aufkommen sollen, sei «absurd» und entspreche einer «falschen Logik». Einerseits müssten höhere Löhne immer zuerst erwirtschaftet werden, andererseits seien Kostenverwerfungen gezielt und nachhaltig bei der Ursache zu bekämpfen.