
Das KI-Startup Anthropic hat Novartis-Chef Vas Narasimhan in den Verwaltungsrat geholt. Das teilte die US-amerikanische Firma am Dienstag mit. Sie ist bekannt für ihren Chatbot Claude, eine Alternative zu ChatGPT.
Der 49-jährige Mediziner Narasimhan ist der erste Pharmamanager im siebenköpfigen Anthropic-Verwaltungsrat. Dort sitzen neben den Gründern Dario und Daniela Amodei bereits Netflix-Pionier Reed Hastings oder der ehemalige Microsoft-Finanzchef Chris Liddell.
Anthropic-Gründerin Daniela Amodei begründet die Wahl damit, dass Narasimhan eine «seltene» Eigenschaft in das Gremium bringe: Erfahrung in der stark regulierten Pharmabranche und bei der Medikamentenentwicklung. In diesem Bereich will Anthropic nun eine wichtigere Rolle spielen, man wolle «neue Technologien sicher zu den Menschen bringen». Und das tue Narasimhan seit Jahren.
Der US-Manager steht seit 2018 an der Spitze des Basler Pharmakonzerns. Narasimhan selbst sagt zu seiner Ernennung: «Künstliche Intelligenz hilft uns, schnellere Lösungen bei den härtesten wissenschaftlichen Herausforderungen zu finden, vom Verständnis der biologischen Grundlagen bis zur Entwicklung besserer Medikamente.» Ein weiterer Grund für den Transfer ist ein anstehender Börsengang von Anthropic: Dieser könnte noch dieses Jahr erfolgen.
Streit mit dem Pentagon
Anthropic wurde 2021 von Dario und Daniela Amodei gegründet, nachdem sie die KI-Firma OpenAI verlassen hatten. Sie waren der Ansicht, dass OpenAI den Profit über die Sicherheit und Verlässlichkeit seines Produkts ChatGPT stellte.
Anthropic erlangte weltweit Bekanntheit dank seines KI-Chatbots Claude. Und wegen eines Streits mit dem US-Verteidigungsministerium. Anthropic wollte dem Pentagon bei der Nutzung seiner Technologie Grenzen setzen, etwa bei der Massenüberwachung und bei autonomen Waffen. Das wollte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth nicht akzeptieren. Der Streit liegt derzeit vor Gericht.
Auch in der Pharmabranche findet ein regelrechter Wettlauf darum statt, die Künstliche Intelligenz bestmöglich zu nutzen. Die Hoffnungen sind gross. KI könnte bei der Entdeckung neuer Moleküle helfen oder klinische Studien beschleunigen.
Novartis-Konkurrent Roche hat kürzlich seine Kooperation mit dem US-Chip-Hersteller Nvidia ausgebaut. Der dänische Hersteller Novo Nordisk setzt derweil auf OpenAI, mit dem er eine strategische Partnerschaft eingegangen ist. Sam Altman, OpenAI-Chef und erbitterter Widersacher der Anthropic-Führung, liess sich zum Deal zitieren: «Künstliche Intelligenz wird helfen, dass wir länger und besser leben.»
Anthropic wildert in Zürich mit Riesenlöhnen
Die KI-Firma Anthropic ist derzeit daran, eine Niederlassung in Zürich aufzubauen. Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, nimmt sie kräftig Geld in die Hand, um die besten Talente anzuwerben. In einem aktuellen Stelleninserat wirbt Anthropic für Ingenieure und Forscher mit einer Lohnspanne zwischen 280’000 und 680’000 Franken. Das Salär am oberen Ende wäre somit deutlich höher als jenes eines Bundesrats. (mpa)
