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Arzneimittel

Galenica-Tochter schliesst Produktion in Interlaken – bis zu 170 Jobs betroffen

Der Berner Auftragsproduzent Bichsel gibt die Produktionssparte auf.
Blick in die Produktion von Bichsel.
Bild: zvg

Kahlschlag beim Gesundheitskonzern Galenica: Die Tochterfirma Bichsel beabsichtigt den Abbau von 170 Stellen. Bichsel, ein Hersteller pharmazeutischer Produkte mit Sitz in Interlaken, plant die Aufgabe der Produktionssparte bis spätestens Ende Jahr. Grund dafür sei die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit dieses Spezialgeschäfts, heisst es in einer Mitteilung. Bichsel beschäftigt aktuell rund 300 Personen, was rund 250 Vollzeitstellen entspricht.

Galenica hatte das Unternehmen 2019 übernommen. Bichsel stellt verschiedenste Arzneimittel im Lohnauftrag her. Dazu gehören hauptsächlich Produkte für die Infusionstherapie sowie die intravenöse Schmerztherapie – mehrheitlich für Spitäler. Darunter befinden sich etwa grossvolumige Infusions- und Injektionslösungen in Beuteln von 3 bis 5 Litern sowie in Kleinserien, die individuell im Auftrag der Kunden hergestellt werden. Zentrale Produkte von Bichsel sind physiologische Kochsalzlösung (Natriumchlorid) sowie Magnesiumsufalt, die für Infusionen eingesetzt werden.

Engpässe für Patientinnen und Patienten sind aufgrund des Produktionsstopps nicht zu erwarten. Wie Bichsel auf Anfrage erklärt, gibt es in der Schweiz wie auch im Ausland verschiedene andere Anbieter für diejenigen Produkte, die von Bichsel hergestellt werden. Spitalapotheken können diese Produkte auch selbst herstellen und tun dies heute zum Teil bereits.

Kein Verkauf wegen veralteter Anlagen

Wie Galenica weiter mitteilt, hätten über die letzten Jahre verschiedene Massnahmen zur Steigerung der Ertragslage von Bichsel keine ausreichende Wirkung erzielt. Galenica prüfte demnach nebst der Schliessung verschiedene Szenarien für die Herstellung bei ihrer Tochtergesellschaft, darunter auch eine Neuausrichtung des Geschäftsbereichs in Verbindung mit «wesentlichen Investitionen bis hin zu einem kompletten Neubau». Mit keinem Szenario lasse sich jedoch die Produktion längerfristig nachhaltig betreiben, betont das Unternehmen. Aufgrund des Zustands der Anlage sei zudem auch ein Verkauf nicht möglich.

Das Konsultationsverfahren sei bereits eröffnet worden. Galenica werde die Mitarbeitenden «eng begleiten, die Auswirkungen möglichst verträglich gestalten und ihre soziale Verantwortung wahrnehmen», so die Mitteilung. Sofern Kündigungen unumgänglich seien, werde ein Sozialplan zur Anwendung kommen. Dieser sieht neben finanzieller Unterstützung auch Angebote für die berufliche Weiterorientierung vor und beinhaltet eine Härtefallregelung. Auch Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten innerhalb des Galenica-Netzwerks werden geprüft. Der Abschluss des Konsultationsverfahrens wird voraussichtlich Mitte März 2026 erwartet. Der finale Entscheid zur Schliessung sowie die definitive Anzahl betroffener Stellen ist abhängig vom Ausgang dieses Prozesses.

Bichsel will sich künftig auf das sogenannte Home-Care-Geschäft konzentrieren. Damit sind Dienstleistungen für Menschen gemeint, die zuhause oder in Pflegeheimen betreut werden. Die Mitarbeitenden von Bichsel besuchen Patientinnen und Patienten vor Ort und instruieren sie sowie das Betreuungspersonal in der Anwendung der Pumpen und Systeme für die klinische Ernährung.

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