
Die Kronfavoritin für die Nachfolge von Guy Parmelin nahm sich am Wochenende aus dem Rennen: SVP-Politikerin Esther Friedli will auch künftig für den Kanton St.Gallen im Ständerat politisieren.
Im «SonnTalk» auf TeleZüri begründete Friedli ihren Entscheid. Es gebe im Ständerat «noch viel zu machen», sie sei ja erst seit dreieinhalb Jahren in diesem Amt. Zudem sei sie auch Unternehmerin, habe in den letzten zehn Jahren mit ihrem Ehemann Toni Brunner das «Haus der Freiheit» aufgebaut. «Soll ich unseren 20 Mitarbeitenden sagen, Ende Jahr ist aus die Maus?», fragte sie rhetorisch. Ihre persönliche Freiheit sei ihr wichtig, sie sei nicht bereit, ihr Leben umzukrempeln.
Aber Friedli ist sich auch bewusst: «Mit meiner Absage kommt Bewegung ins Kandidatenkarussell.» Explizit angesprochen auf den Thurgauer Nationalrat und Asylspezialisten Pascal Schmid – der Favorit von alt Bundesrat Christoph Blocher –, sagt Friedli, dieser bringe alles mit, was es brauche. Doch es gebe weitere Persönlichkeiten in der SVP. Friedli weist auf die «sehr guten Regierungsräte» ihrer Partei hin – und bringt einen neuen Namen ins Spiel: den Walliser Staatsrat Franz Ruppen. Auch er ist in Bern kein Unbekannter. Er politisierte zwischen 2015 und 2021 als Nationalrat.
Interessant ist, wen Friedli in diesem Zusammenhang nicht erwähnte: die Zürcher Regierungsrätin Nathalie Rickli. Die Gesundheitsdirektorin überlegt sich eine Kandidatur. Es war an Mitte-Nationalrätin Nicole Barandun, eine Lanze für Rickli zu brechen. Sie würde es begrüssen, wenn der Kanton Zürich als wichtiger Standort für Forschung und Wirtschaft im Bundesrat vertreten wäre. Und Martin Pfister habe bewiesen, dass die Wahl eines Regierungsrates ein Gewinn für den Bundesrat sein könne.
Barandun glaubt nicht an Pfisters Departementswechsel
Apropos Pfister. Laut Informationen von «Schweiz heute» denkt er über einen Departementswechsel nach. Barandun sagt: «Davon habe ich nichts gehört.» Gewiss gebe es Baustellen im Verteidigungsdepartement, doch Martin Pfister scheue Herausforderungen nicht. «Es würde mich sehr wundern, wenn er das Verteidigungsdepartement freiwillig verlässt», sagt die Zürcher Nationalrätin. Sie wünscht sich, dass Pfister bleibt.
Mit dem Rücktritt von Guy Parmelin wird das Wirtschaftsdepartement frei. Wechselgelüste werden auch Justizminister Beat Jans nachgesagt. Friedli betonte, dass die SVP das Justizdepartement gerne übernehmen würde. Das Parlament habe über 40 Vorstösse an den Bundesrat zur Verschärfung der Asylpolitik überwiesen. Das zeigt für sie: «Wir brauchen dringend einen neuen Justizminister.»
Molina traut der SVP nicht
Der dritte Gast in der Runde, der Zürcher SP-Politiker Fabian Molina, nimmt der SVP hingegen nicht richtig ab, dass die Partei das Justizdepartement wirklich übernehmen will. Sie hatte in den letzten Jahren mehrere Gelegenheiten dafür. Was Molina aber sicher weiss: «Jans wäre ein grossartiger Wirtschaftsminister.»
Bis am 23. Oktober können SVP-Politiker ihre Kandidatur anmelden. Die Fraktion bestimmt das Ticket am 20. November. Die Wahl für die Nachfolge von Guy Parmelin findet am 9. Dezember im Bundesparlament statt. Offizielle Kandidaturen gibt es bisher noch nicht.


