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Vatikan

Erinnerungen an den Papst: «Franziskus fing an zu lachen – wahrscheinlich hatte er Mitleid mit mir»

Der mexikanische Pfarrer David Padron vertritt seine Kongregation im Vatikan. Er hat den Papst schon mehrfach getroffen. Eine Begegnung blieb ihm speziell in Erinnerung.

«Als ich ihn das erste Mal traf, war ich so aufgeregt, dass ich das Protokoll vergass», sagt David Padron. Der Mexikaner ist seit vier Jahren der Vertreter seiner Kongregation im Vatikan und für die Heiligsprechungsverfahren in dieser zuständig. Zuvor hatte er Papst Franziskus nur am Fernsehen oder an Grossveranstaltungen gesehen. Statt sich ordentlich vorzustellen, sei ihm beim Händeschütteln mit dem Pontifex nur: «Heiliger Vater, Grüsse aus Mexiko und von der ganzen Kongregation!» herausgerutscht. «Er fing an zu lachen. Wahrscheinlich hatte er Mitleid mit mir», sagt Padron.

David Padron ist Generalprokurator seiner Kongregation in Rom.
Bild: Natasha Hähni

Er ist aber lange nicht der einzige Franziskus-Fan in seiner Familie. Im Jahr 2014 reiste der Pfarrer mit seiner Mutter in den Vatikan, um an den Oster-Feierlichkeiten teilzunehmen. «Meine Mutter hatte ihm ein Trikot der mexikanischen Nationalmannschaft mit seinem Namen auf dem Rücken mitgebracht», erinnert sich Padron. Die Sicherheitsbeamten hätten dieses aber nicht weiterreichen wollen und er habe sich geweigert, sich den Beamten zu widersetzen. «Also warf meine Mutter das Trikot ins Papstmobil», sagt er und schüttelt lachend den Kopf. «Sie kann froh sein, dass sie ihr nicht die Hand gebrochen haben!»

Pizzaballa und Tagle – oder doch eine Überraschung?

Nun musste sich Padron von Papst Franziskus verabschieden. Er erwies ihm am Freitagmorgen die letzte Ehre im Petersdom. Zwei Stunden stand er dafür an. Kurze Zeit später trifft er sich mit CH Media vor der nahe gelegenen «Santo Spirito in Sassia»-Kirche zum Gespräch. Er wirkt immer noch aufgewühlt. Der Abschied habe bei ihm gemischte Gefühle hervorgebracht, sagt er: «Mir fiel auf, dass alle Menschen durch die heilige Pforte eintreten, die Papst Franziskus im Dezember geöffnet hat. Das war ein schönes Zeichen.» Je näher er dem Papst kam, desto emotionaler sei er geworden. «Als ich vor dem Sarg stand, kamen mir die Tränen», so Padron. «Gott sei Dank habe ich meinen Vater noch, aber es fühlte sich an, als wäre mein Vater oder mein Grossvater gestorben», sagt er.

Nach einem Gebet für ihn, habe er damit begonnen, für seinen Nachfolger zu beten. «Papst Franziskus hat die Latte sehr hoch gelegt», sagt Padron. Ein möglicher Nachfolger ist in seinen Augen Kardinal Pierbattista Pizzaballa aus Jerusalem. Mit seinen 60 Jahren einer der jüngsten Anwärter auf das Amt. «Er wäre ein Mann des Dialogs, vor allem mit der arabischen Welt», so Padron. Ein weiterer guter Kandidat ist für ihn Kardinal Luis Antonio Tagle aus den Philippinen.

«Die Kirche positioniert sich zurzeit stark in Asien und in Afrika. Ich würde mich freuen, wenn der nächste Papst von einem dieser beiden Kontinente käme.» Dass auf den eher progressiven Papst Franziskus ein konservatives Kirchenoberhaupt folgen sollte, glaubt Padron nicht. «Es gibt ja das Sprichwort

», sagt er. Man wisse also nie, wer am Ende das Rennen macht. Schliesslich werde der Wahlprozess im Geheimen abgehalten. «Und wir dürfen nicht vergessen», fährt Padron fort, «die Kirche wird vom Heiligen Geist geführt – und der liebt Überraschungen.»