Technik-Geschichte

Vor 30 Jahren begann die Smartphone-Ära – mit einem Handy-Klotz aus Finnland

Vier Zentimeter dick und fast 400 Gramm schwer: Der Nokia 9000 Communicator läutete vor 30 Jahren die Smartphone-Revolution ein – als Büro für unterwegs. Der Preis? Ganz schön happig.

Knapp 400 Gramm schwer, fast vier Zentimeter dick, mit computerähnlicher Tastatur und Schwarz-Weiss-Display: So sah das Handy aus, das vor 30 Jahren die goldene Ära der Smartphones einleitete. Der Produzent? Kein US-Unternehmen, sondern der dominierende Anbieter auf dem Mobilfunkmarkt aus dem kleinen Finnland: Nokia.

Der Nokia 9000 Communicator war eine Technik-Revolution.
Bild: Archiv/dpa

Der Nokia 9000 Communicator gilt als ein Vorläufer der modernen Smartphones und war dabei natürlich nicht annähernd so smart, wie Handys es heute sein können. Trotzdem war seine Einführung damals eine kleine Revolution.

«Natürlich waren wir stolz auf dieses Gerät, weil es eine Kombination aus Computer und Handy war», sagt der Finne Arto Koskinen. Er ist Filmemacher und Autor der Dokumentation «Nokia Mobile – We Were Connecting People».

Der Traum vom mobilen Büro

Büroaufgaben unterwegs erledigen zu können – das war das Versprechen des Nokia 9000 Communicators, der am 15. August 1996 auf den Markt kam. Er hatte weder Kamera noch Kopfhörer-Anschluss oder GPS-Ortung und auch ansonsten nur wenige Funktionen, die heute ein Smartphone ausmachen. Mit dem Gerät konnte man Faxe und E-Mails senden und empfangen, es verfügte über ein Adressbuch und einen Terminkalender.

Das N97 von Nokia war 2008 ein Nachfolger mit Farbdisplay.
Bild: Albert Gea/Reuters

Otto Normalverbraucher hätten die Entwickler damals nicht als Nutzer im Kopf gehabt, erzählt Arto Koskinen. «Das war nichts, was normale Leute in ihrem Alltag benutzt haben, sondern meistens Manager und Führungskräfte.» Für die sei es ein Statussymbol gewesen.

2200 Franken für ein Stück Zukunft

Einen Communicator konnte sich damals auch schlichtweg nicht jeder leisten: Rund 2200 Franken kostete das moderne Gerät – mit einem internen Speicher von 8 MB und einem Display mit einer Auflösung von 640 mal 200 Pixeln – ohne SIM-Karte. «Handys waren Anfang der 90er Jahre fast so teuer wie ein neues Auto», sagt Koskinen. «Und der Communicator wurde zwar im Laufe der Zeit billiger, aber für den normalen Nutzer war es immer noch ein wirklich teures Gerät.»

Bei einer Messe in Las Vegas wurde auch Bill Gates auf den Communicator aufmerksam. «Erst kam ein kleines Team von Microsoft an unseren Stand und wollte den Communicator sehen – keine anderen Telefone, nur den Communicator», erinnert sich der damalige Entwicklungschef Lauri Hirvonen in dem Dokumentarfilm «Nokia Mobile – We Were Connecting People». «Wir haben ihnen gezeigt, wie er funktioniert und ihre Fragen beantwortet. Am nächsten Tag kamen zwei von ihnen wieder – in Begleitung von Bill Gates.» Daraufhin habe die IT-Abteilung von Microsoft eine Menge Communicators gekauft.

Vom Weltmarktführer zum Absturz

Die 90er Jahre waren eine spektakuläre Erfolgsgeschichte für Nokia – die Marke entwickelte sich zum Synonym für Mobiltelefone. Doch spätestens als das erste iPhone 2007 mit seinem Touchscreen auf den Markt kam, verpassten die Finnen den Anschluss. «Die Idee bei Nokia bestand darin, verschiedene Arten von Handys für verschiedene Nutzer herzustellen», sagt Filmemacher Koskinen. «Am Anfang lief das tatsächlich richtig gut – aber als Apple ein Gerät für alle auf den Markt brachte, eben nicht mehr.»

Das iPhone läutete den Absturz von Nokia ein.
Bild: Christian Beutler/Keystone

Der Zusammenbruch der Mobilsparte von Nokia habe neben falschen Management-Entscheidungen aber noch andere Gründe gehabt, sagt er: eine veraltete Software etwa, weniger Fokus auf Forschung, eine teurere Produktion. Für viele Finnen sei er eine traumatische Erfahrung gewesen, sagt Koskinen: «Nokia war wirklich ein Teil unserer Identität.»

Heute erinnern sich ausserhalb des kleinen nordischen Landes wohl nur wenige an den Nokia 9000 Communicator. Aber in Finnland sind sie heute doch noch ein bisschen stolz darauf, wie sie damals die Mobilfunk-Branche revolutioniert haben. (dpa)