Eigentlich ist der Herbst nicht Feuerwerkssaison. Nebel, unsicheres Wetter und mehr Indoor- als Outdoor-Veranstaltungen verhindern Goldregen am Nachthimmel. Und trotzdem wird in den nächsten Wochen leidenschaftlich über Böller, Raketen und Pyrotechnik gestritten. Im November stimmt die Schweiz über die Feuerwerksinitiative ab.
Derzeit haben die Befürworter – das sind die Gegner von knalligem Feuerwerk – gemäss mehreren Umfragen einen Vorsprung. Die Allianz aus Tierschützerinnen und Umweltorganisationen will Feuerwerkskörper, die Lärm erzeugen, verbieten. Ausnahmen gibt es nur für ausgewählte öffentliche Anlässe von überregionalem Interesse. Grosse öffentliche Feuerwerke würden so erlaubt bleiben.
«Zuversichtlich stimmt mich der letzte 1. August», sagt Daniel Bussmann. Oder vielmehr das, was am vergangenen Nationalfeiertag nicht war: Wegen der extremen Trockenheit war Feuerwerk fast in der ganzen Schweiz verboten. «Die Leute haben gemerkt, dass etwas gefehlt hat», so der Inhaber der Feuerwerksfirma Bugano und Präsident des Vereins ProFeuerwerk.
Gegenvorschlag im letzten Moment versenkt
Gemeinsam mit bürgerlichen Politikern und dem Gewerbeverband hat Bussmann am Dienstag den Abstimmungskampf gegen die Initiative eröffnet. «Was uns verbindet, soll bleiben», lautet der Slogan der Kampagne. Die Gegner führen unter anderem ins Feld, dass Feuerwerk ein Kulturgut sei. Es gehöre zu den Traditionen des Landes. Gleichzeitig appellieren sie an die gegenseitige Rücksichtnahme: Feuerwerksfreunde sollten mit der Knallerei nicht überborden, die Gegner ihrerseits mit einem weitgehenden Verbot nicht über das Ziel hinausschiessen.
Im Parlament wurde lange über einen Gegenvorschlag gestritten. Erst in allerletzter Sekunde versenkte eine seltene Allianz aus SVP, FDP und Grünen den ausgearbeiteten Kompromiss. Während er den Bürgerlichen zu weit ging, ging er den Grünen zu wenig weit. Kernpunkt des Gegenvorschlags wäre ein konsequentes Verbot von Böllern gewesen, also Feuerwerkskörpern ohne visuelle Effekte.
«Wir haben schon darauf gehofft», sagt Daniel Bussmann. Die Ablehnung in der Schlussabstimmung sei eine Überraschung gewesen. Für die Branche wäre der Kompromiss gangbar gewesen. Nun hat das Stimmvolk nur die Wahl zwischen der Initiative und dem Status quo. Rund 350 Vollzeitstellen wären bei einer Annahme bedroht, rechnet Bussmann vor. Auch er plädiert für Rücksicht, sagt aber: «Es geht darum, das Anliegen ernst zu nehmen, ohne gleich komplett das Augenmass zu verlieren.»
Kein grosses Budget für den Abstimmungskampf
Als «gewerbefeindlich» taxiert Urs Furrer, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands, die Initiative. Er warnt davor, dass der Staat seine Bürger zunehmend entmündige. Unnötige Verbote müssten bekämpft werden. Ein solches Verbot dürfe nicht auf Bundesebene festgeschrieben werden, sagt Jonas Lüthy, Präsident der Jungfreisinnigen. Der Föderalismus funktioniere. Dort, wo in Gemeinden Handlungsbedarf bestehe, könne dieser lokal angepackt werden.
Bussmann und seine Kollegen versuchen bewusst, die Emotionen tief zu halten. Das Thema ist ohnehin schon emotional aufgeladen. Sie wissen, dass es ein schwieriger Kampf wird. Bussmann kann noch nicht beziffern, wie hoch das Budget für den Abstimmungskampf sein wird; derzeit werde es noch zusammengestellt. Sicher ist: Riesige Geldsummen sind nicht zu erwarten. «Wir konzentrieren uns auf Online-Kampagnen», so der Unternehmer.
Bis zur Abstimmung wisse er von keinen grösseren Feuerwerken. Werden Raketen in der Schweiz auch weiterhin gezündet? Bussmann: «Ich bin zuversichtlicher als auch schon.»



