Kurz nach 8.00 Uhr hört man einen lauten Knall in der italienischen Hauptstadt: Bei einer Explosion einer Tankstelle in Rom sind Dutzende Menschen verletzt worden. Zwei der Opfer schweben laut Rettungsdienst in Lebensgefahr, vier weitere seien schwer verletzt und werden im Krankenhaus verarztet.
Die Zahl der Verletzten wurde laufend aktualisiert, der italienischen Nachrichtenagentur Ansa zufolge seien etwa 45 Menschen verletzt worden. Es handele sich dabei um Bürgerinnen und Bürger sowie um Einsatzkräfte. Darunter sollen elf Polizeibeamte, ein Carabiniere, sechs Feuerwehrleute und drei Rettungssanitäter sein - sie wurden von Rettungskräften und Helfern versorgt.
«Es war wie ein Kriegsschauplatz.»
Der Vorfall ereignete sich im Osten Roms, im Stadtteil Prenestino unweit des Hauptbahnhofs Termini. Die Rettungskräfte waren bereits vor Ort im Einsatz wegen eines gemeldeten Gaslecks und hatten mit Evakuierungsmassnahmen begonnen. Nach ersten Erkenntnissen wurde die Explosion durch austretendes Flüssiggas verursacht, das bei der Umfüllung in einen Tankwagen in einem Gasdepot einer Tankstelle entzündet wurde. Diese brannte nieder.
Es habe ausgesehen wie auf einem Kriegsschauplatz, sagte Oberstleutnant Antonino Giorgio von der Carabinieri den Journalisten. Er wurde selbst verletzt, als er von der Hitzewelle getroffen wurde. «Ich bedaure nur, dass wir nicht mehr Menschen retten konnten», sagte Giorgio.
An einigen Stellen rund um die Via dei Gordiani ist Stunden später noch immer Rauchgeruch wahrnehmbar, während die Zikaden in der nun ruhigen Strasse laut summen. Einige Häuser haben zerbrochene Fenster, Glasscherben liegen auf der Strasse; die Feuerwehrleute haben den Bereich der Explosion abgesichert.
«Meine Mutter sagte, es war wie eine Bombe», erzählt Simona Pantaleo der Deutschen Presse-Agentur. Kurz nach der Explosion fuhr sie zum Haus ihrer 85-jährigen Mutter, um sich zu vergewissern, dass sie in Sicherheit war, wie viele andere in dem dicht besiedelten Viertel im Osten Roms. Etwa fünf Stunden später warteten sie noch auf Angehörige, die von den Rettungskräften untersucht wurden.
Die Feuerwehr führte Inspektionen rund um den Explosionsort durch. Der Einsatz sei schwierig gewesen, da sich neben der Tankstelle ein Rettungswagen-Depot befunden habe, in dem Sauerstoffflaschen gelagert gewesen seien, sagte Carabinieri-Major Andrea Quattrocchi. Geprüft werde auch die Hypothese, dass das Austreten von Flüssiggas durch den Aufprall des Tankwagens auf ein leitfähiges Rohr verursacht worden sein könnte, hiess es. Die genauen Umstände der Explosion werden noch untersucht. Die Staatsanwaltschaft ordnete die Absperrung des Bereichs an.
Sommerlager evakuiert und Gebete aus dem Vatikan
Die Explosion war laut dpa-Reportern in mehreren Stadtteilen Roms zu hören, auch die Druckwelle war zu spüren. Schwarzer Rauch breitete sich rund um dem Brandort aus. In der italienischen Hauptstadt gibt es derzeit eine andauernde Hitzewelle mit Temperaturen von über 38 Grad. Zudem sind viele Touristen in Rom unterwegs.
Vor Ort wurden Sanitätszelte eingerichtet, die Menschen wurden von der Stadt Rom aufgerufen, die Fenster geschlossen zu halten sowie keine externe Klimaanlage zu verwenden. Roms Bürgermeister, Roberto Gualtieri, hatte in den sozialen Medien an die Bevölkerung appelliert, das betroffene Gebiet vorsichtshalber zu verlassen. Zudem warnte die italienische Gesellschaft für Umweltmedizin, dass Flüssiggas beim Einatmen in hohen Konzentrationen Übelkeit, Schwindel, neurologische Störungen, Bewusstlosigkeit und in schweren Fällen Erstickung verursachen kann.
Nachdem die umliegende U-Bahn-Haltestelle vorerst geschlossen worden war, wurde sie gegen Mittag wieder geöffnet. Neben der Tankstelle wurde ein Sportzentrum mit einem Tennisplatz beschädigt - ein nahegelegenes Sommercamp mit acht Kindern wurde am Morgen evakuiert.
Aus der Politik wurde Unterstützung bekundet, auch Papst Leo XIV. gedachte der Betroffenen. «Ich verfolge die Entwicklungen dieses tragischen Unfalls weiterhin mit grosser Besorgnis», schrieb das Oberhaupt der katholischen Kirche auf X. (dpa)


