Zürich

Eklat im Kantonsrat: Nach Antisemitismus-Vorwurf verlässt die Ratslinke den Saal

Die SVP schob im Kantonsrat die Schuld an der Messerattacke auf einen orthodoxen Juden in Zürich indirekt der Linken zu. SP, GLP und AL verliessen daraufhin unter Protest den Ratssaal.

Nachdem ein 15-Jähriger am Wochenende einen orthodoxen Juden in Zürich lebensgefährlich verletzt hatte, verurteilte Regierungsrätin Jacqueline Fehr die Tat am Montag während der Kantonsratssitzung. «Wir akzeptieren keine Ausgrenzung», so die Regierungsrätin. Antisemitismus und Rassismus wurden von ihr aufs Schärfste verurteilt. Auch die GLP und die EVP verurteilten die Tat in Fraktionserklärungen.

Als die SVP in Person von Tobias Weidmann in ihrer Erklärung die Saat für die Tat den Linken in die Schuhe schob, kam es zum Eklat. Gemäss SVP sei die Linke schuld an der Messerattacke. Der Antisemitismus käme aktuell von der antikapitalistischen Linken und aus muslimisch-migrantischem Milieu. Antisemiten würden heutzutage keine Springerstiefel tragen, wie die Rechtsextremen, sondern Arafat-Tuch und Che-Guevara-Leibchen.

Nach dieser Attacke verliessen Grüne, SP und AL (vorübergehend) den Saal. Die SVP manövriert sich immer mehr in eine dunkle Ecke, so Kantonsrat Thomas Forrer auf X. Es sei ein neuer Tiefpunkt im Kantonsrat erreicht.

Der am Samstagabend im Zürcher Engequartier attackierte Mann liegt noch immer im Spital. Die Ermittlungen laufen, mutmasslich handelt es sich um eine antisemitisch motivierte Tat. Am Sonntagnachmittag kam es auf dem Zürcher Helvetiaplatz zu einer Mahnwache, an der verschiedene jüdische Exponenten wie auch Ifat Reshef, Israels Botschafterin in Bern, teilnahmen. Die Behörden haben die Sicherheitsvorkehrungen jüdischer Einrichtungen in Zürich und der ganzen Schweiz verstärkt. (jk)

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