
Jasmin Kocher
«Die Anforderungen des FSC sind deckungsgleich mit unseren Überzeugungen », erklärt Ruedi Iseli, Forstbetriebsleiter in Solothurn. Diese Ansicht verdeutlicht, weshalb der Solothurner Wald vor elf Jahren als erster in der Schweiz die FSC-Zertifizierung erhielt. «Die Anforderungen berücksichtigen zugleich soziale, wirtschaftliche und ökologische Aspekte. Das ist auch im Sinne der meisten Forstbetriebe », führt Iseli aus. Die Zahlen geben ihm recht: Bereits 60% der gesamten Schweizer Waldfläche sind nach den FSC-Vorgaben ertifiziert.
FSC – ein Versprechen für den gesunden Wald
Der Forest Stewardship Council (FSC) ist eine gemeinnützige internationale Organisation, die von allen grossen Umweltverbänden sowie der Wald- und Holzbranche unterstützt wird. Der FSC ist unabhängig und verfolgt keine finanziellen Interessen. Noch immer verschwinden weltweit etwa 40 Fussballfelder Wald pro Minute. Daneben gilt es, die Wälder auch vor schlechter Bewirtschaftung zu schützen.
Der FSC setzt sich für eine ökologische, sozial verträgliche und wirtschaftlich tragbare Waldwirtschaft ein. Die Organisation erarbeitet globale Standards, nach denen Waldwirtschaft geprüft und zertifiziert werden kann. Damit ein Wald das FSC-Zertifikat erhält, müssen unter anderen folgende Bedingungen erfüllt sein:
·Ausscheidung von 10% der Waldfläche als Waldschutzgebiete.
·Keine Kahlschläge von über einer Hektare.
·Keine exotischen Baumarten.
·Verzicht auf umweltgefährdende Stoffe (synthetische Motorenöle)
·Erhaltung bzw. Steigerung des Anteils von Totholz.
·Förderung der Aus- und Weite (jk)
Noch zu viele Zwischenfälle
Ruedi Iseli sah das Solothurner Forstamt damals nicht in einer Vorreiterrolle: «Wir betrachten aber die immer neuen Anforderungen der Umweltverbände stets als Chance. Das unterscheidet uns vielleicht von anderen Forstämtern.»
Auch das Forstgebiet Roggwil/Langenthal ist seit 2002 FSC-zertifiziert. Man lege jedoch nicht viel Wert auf diese Auszeichnung, da die Standards je nach Land unterschiedlich seien. Die Anforderungen in Schweden zum Beispiel lägen weit tiefer als diejenigen in der Schweiz. «Wir haben uns um die FSC-Zertifizierung bemüht, damit wir alle Sägereien beliefern können », erklärt Simon Rieben vom Forstbetrieb Langenthal.
Weit weniger kritisch sieht dies Miklòs Irmay, diplomierter Forstingenieur ETH und Leiter des Vereinssekretariats von FSC Schweiz: «Die 10 Grundprinzipien von FSC gelten für alle Mitglieds-Länder. Sie legen den Rahmen fest, können aber an unterschiedliche Bedürfnisse und Möglichkeiten angepasst werden.» Die Schweizer Forstwirtschaft sei sehr fortgeschritten. Doch es gebe noch immer Verbesserungspotenzial, sagt Irmay: «In der Waldwirtschaft passieren noch immer zu viele Zwischenfälle, sei es mit Brennstoffen, Pestiziden oder auslaufendem Benzin in der Nähe von Gewässern.» Deshalb verfolgt FSC Schweiz weiterhin das Ziel, die Waldwirtschaft ständig zu verbessern.
Streifzug durch den Solothurner Wald
Der WWF organisiert unter anderem in Solothurn eine Exkursion durch den Wald. «Wir wollen zeigen, wie Wald wächst, weshalb er sich ständig verändert und wie er durch richtige Nutzung und Pflege gesund bleibt», erklärt die Organisatorin Denise Frehner. Die Exkursion dauert einen ganzen Tag. Am Vormittag führt der Rundgang je nach Witterung vom Nesselboden zum Weberhüsli oder über den steilen Weg durch die Schlucht bei Stigelos. Nach dem gemeinsamen Mittagessen gehie Exkursion weiter zur Sägerei von Martin Adam. Auch dieser Betrieb ist FSC-zertifiziert.