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Medien

Drohung Öffentlichkeit: Wie die Medien die Wirklichkeit verändern

Der Fall des Berner Insel-Spital-Direktors von dieser Woche zeigt: Mediale Öffentlichkeit wirkt. Das schmeichelt zwar den Medienschaffenden, ist aber nicht ohne Fallstricke.
Das Berner Insel-Spital sorgt für unschöne Schlagzeilen.
Bild:  Anthony Anex / KEYSTONE

In einer idealen Welt verhalten sich Behörden wie Firmen nach bestem Wissen und Gewissen, unabhängig davon, ob ihr Handeln im öffentlichen Fokus steht oder nicht. So weit die Theorie. Die Praxis ist eine andere. So folgte diese Woche die Freistellung eines Direktors des Berner Insel-Spitals wegen mutmasslicher Übergriffe am Tag, nachdem dazu eine journalistische Anfrage eingetroffen war. Dabei sind die Vorwürfe intern seit Februar bekannt. Die Behauptung, ausgerechnet an diesem Tag seien die internen Untersuchungen abgeschlossen worden, ist wenig glaubwürdig.

Öffentlichkeit wirkt und verändert die Parameter des Handelns. Medienschaffende kennen das Spiel. So gehört es zu ihrer Wächterrolle, dass sie ausrecherchieren und publizieren, was ihnen etwa Whistleblower zutragen. Mit Öffentlichkeit wird aber auch gedroht. Man werde «die Medien einschalten», ist eine beliebte Formulierung, um in einer Auseinandersetzung Druck aufzubauen. Dass Medienschaffende instrumentalisiert werden, gehört ebenfalls zum Spiel, das sie kennen. Doch der Grad, ob sie wirklich zur Aufklärung beitragen oder ob sie die nützlichen Idioten zugunsten von Partikularinteressen sind, ist zuweilen schmal.

Im Berner Insel-Spital-Affäre scheint sich diese Frage nicht zu stellen – ausser im hypothetischen Fall, dass sich die Vorwürfe eines Tages vollständig in Luft auflösen würden. Dann wäre vollends ins Absurde verkehrt, dass sich Behörden nicht danach verhalten sollen, ob ihr Handeln im öffentlichen Fokus steht.