Ein Mann hat diese Woche in Corcelles (NE) seine ehemalige Partnerin und seine beiden Kinder getötet. Drei weitere Femizide. Damit sind es bereits 22 in diesem Jahr.
Die öffentliche Reaktion auf solche Verbrechen folgt inzwischen einem beschämenden Ritual: Behörden äussern ihr Entsetzen, proklamieren Nulltoleranz, reden über eine «Roadmap», die man seit Jahren verfolge, über Pilotprojekte mit Electronic Monitoring und allerlei geplante Massnahmen. Und irgendwoher kommt immer der Einwand: Jeden Femizid kann man auch mit den besten Massnahmen nicht verhindern.
Tatsache ist: In der Schweiz gibt es zu wenig geschützte Räume für Frauen, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind. Eine Notfallnummer, die rund um die Uhr Hilfe von Fachleuten anbietet, nimmt erst nächstes Jahr den Betrieb auf. Unter anderem, weil eine Verordnung des Bundes angepasst werden muss – und weil Telekomanbieter Probleme hatten, eine dreistellige Nummer einzuführen. Kommt hinzu, dass es sich beim Schutz vor sexualisierter Gewalt um eine kantonale Aufgabe handelt. Das Ergebnis ist ein Flickenteppich: Das Hilfsangebot für bedrohte Frauen und Kinder variiert je nach Kanton erheblich.
Es ist offensichtlich: Trotz der Trauerbekundungen und Betroffenheitsstatements der Politik, bis hinauf zu Bundesrätinnen und Bundesräten, fehlt es den Behörden an Entschlossenheit.
Spanien macht es vor: 1,5 Milliarden Euro investiert das Land in den nächsten fünf Jahren, um Frauen und Kinder besser zu schützen. Nicht nur vor Tötungsdelikten, sondern auch vor der viel häufigeren Gewalt ohne Todesfolge – Psychoterror, Schläge, Vergewaltigungen. Einen vergleichbaren Betrag hat Spanien schon in den letzten Jahren ausgegeben. Und das wirkt: Die Zahl der Femizide ist im Vergleich zur Bevölkerungszahl fünfmal tiefer als in der Schweiz.
Fünfmal weniger. Nach dieser Rechnung könnten von den 22 Schweizer Opfern 16 noch leben. Übertragen auf das Geld hiesse das auch, dass die Schweiz für fünf Jahre 300 Millionen bereitstellt. Das tut sie nicht, selbst wenn man die Ausgaben jener Kantone berücksichtigt, die sich engagieren. Für die mehrjährige Kampagne gegen häusliche Gewalt, die Bundesrätin Baume-Schneider nun angekündigt hat, hat der Bund 1,5 Millionen Franken pro Jahr bewilligt.
