
Der Brief wird praktisch verschwinden, davon ist Post-Chef Pascal Grieder überzeugt. «Dass wir in 20 Jahren noch Informationen auf Papier transportieren, wird ein absoluter Ausnahmefall sein», sagte er jüngst im Interview mit «Schweiz heute». Solche werden wohl mehrheitlich per Mail oder Chats weitergereicht. Für heiklere Dokumente hingegen, wie etwa Steuerunterlagen, Arztrezepte oder Mietverträge, braucht es Alternativen. Hier will die Post mit ihrem digitalen Brief punkte, der seit April zur postalischen Grundversorgung gehört.
Am Donnerstag hat Geschäftsleitungsmitglied Nicole Burth eine erste Bilanz präsentiert. Heute würden rund 6000 Unternehmen und Organisationen verschiedene Funktionalitäten für den digitalen Versand nutzen, darunter auch den besagten digitalen Brief. Zudem hätten mittlerweile 960'000 Personen die Option zur Nutzung des digitalen Briefs «aktiviert». Das bedeutet aber nicht, dass diese Personen auch wirklich schon alle einen digitalen Brief verschickt oder erhalten haben.
Insgesamt wurden seit Anfang Jahr 3 Millionen solcher digitaler Briefe verschickt. Angesichts des schnellen Wachstums peilt die Post 50 Millionen digitale Briefe pro Jahr an, wie Burth nun festhielt, wobei sie offenliess, wann dieses Ziel erreicht werden soll. Doch: Das Wachstum mag rasant sein, die Volumen sind im Vergleich zur physischen Briefpost minimal. So werden derzeit an einem einzigen Werktag mit 5 Millionen deutlich mehr Papierbriefe verschickt als digital in neun Monaten.
Zusätzlichen Schub für mehr digitale Briefe erhoffen sich die Verantwortlichen von neuen Funktionen wie der digitalen Unterschrift, welche die Post nun lancieren will. Sie lassen sich dabei auch nicht von den jüngsten Cyberangriffen auf Pensionskassendaten oder auf die staatlichen Datenbanken Dänemarks, dem digitalen Vorreiterland, entmutigen. «Die Cybersicherheit müsse kontinuierlich verbessert werden», sagte Burth dazu nur.





