Treibstoff-Krise

Dieselpreis knackt Rekordmarke: Fuhrhalter fordern Hilfe vom Bundesrat

Die Transportbranche ächzt unter den rekordhohen Kraftstoffpreisen. Nun soll der Bundesrat mit Vergünstigungen und Steuergutschriften helfen.

2,41 Franken für den Liter: So teuer wie am Freitagmorgen war Diesel in der Schweiz noch nie. Was für normale Autofahrer ein grosses Ärgernis ist, kann für Transportunternehmen zum Existenzrisiko werden. «Wir brauchen etwa eine Million Liter Diesel pro Jahr – bei den aktuellen Preisen macht das viel aus», sagt Fabian Felix, Chef von Felix Transport AG im Baselbieter Arlesheim. Er nennt 75 Lastwagen sein Eigen und beschäftigt 140 Mitarbeiter.

Sein Berufskollege Bernhard Rolli von Rolli Transporte im bernischen Köniz rechnet vor: «Wenn ein Lastwagen 100'000 Kilometer im Jahr fährt und auf 100 Kilometer 35 Liter verbraucht, machen die 60 Rappen Preissteigerung seit dem Frühjahr 20'000 Franken Mehrkosten aus – pro Fahrzeug.» Rollis Unternehmen – 35 Fahrzeuge, 80 Mitarbeiter – transportiert vor allem Milch und andere flüssige Lebensmittel.

Kleine Margen, grosse Gefahr

Drei Ereignisse haben die Spritpreise in die Höhe getrieben: der Iran-Krieg mit der Blockade der Strasse von Hormus, der tiefe Rheinpegel durch den trockenen und heissen Sommer und der vorübergehende Ausfall der einzigen Erdölraffinerie der Schweiz in Cressier NE.

Das grosse Problem aber sei die extreme Volatilität, sagt Transportunternehmer Peter Wipfli aus Flüelen UR. «Bei so schnellem Auf und Ab sind Gespräche mit Kunden schwierig.» Was heisse: «Momentan bleiben wir auf einem sehr grossen Teil der Kosten sitzen.»

Sein Berner Kollege Rolli ist an längerfristige Verträge gebunden, die zwar einen Mechanismus zum Kostenausgleich haben. «Aber ein Szenario, wie wir es jetzt erleben, ist in den Verträgen nicht vorgesehen.» Einen Teil der gestiegenen Kosten kann er also an seine Kunden weiterreichen, auf einem anderen Teil bleibt auch er selbst sitzen.

Besonders betroffen sind Unternehmen, die die öffentliche Hand als Kunden haben. Denn diese schliessen in der Regel mehrjährige Verträge ab – «nachverhandeln kaum möglich», sagt Reto Jaussi, Direktor des Verbands der Nutzfahrzeugbranche Astag.

Gewerbediesel und Steuererleichterungen

Der Verband hat sich darum an den Bundesrat gewandt. In einem Brief an Finanzministerin Karin Keller-Sutter, der «Schweiz heute» vorliegt, fordert er unter anderem die Einführung eines sogenannten Gewerbediesels zu vergünstigten Preisen. «Das machen praktisch alle Nachbarländer», so Jaussi. In der Tat haben zahlreiche Staaten bereits auf die Preiskrise reagiert, die Massnahmen reichen von einer Senkung der Kraftstoffsteuern über Treibstoffabschläge für KMU bis hin zu allgemeinen Preisdeckeln.

«Macht die Schweizer Politik nichts, resultiert für unsere Unternehmen ein Wettbewerbsnachteil», sagt Unternehmer Rolli. Der Bundesrat soll daher auch Steuergutschriften als Ausgleich für die Treibstoffkosten prüfen, fordert die Astag. Drittens soll er den Index ausserordentlich anpassen, der zur Berechnung von Preisänderungen bei Transportleistungen im Baugewerbe verwendet wird. An diesem orientieren sich Bund, Kantone und Gemeinden, wenn sie Bauherren sind. Vereinfacht gesagt fordert der Verband, dass sie mehr zahlen und so die gestiegenen Kosten teilweise auffangen.

«Bei vielen unserer Mitglieder schlägt die Krise schon auf die Liquidität durch», mahnt Astag-Direktor Jaussi. Er weiss, dass allfällige Erleichterungen Zeit brauchen werden. Doch: «Die Lage dürfte sich so schnell nicht entspannen. Wir gehen davon aus, dass Treibstoff jetzt länger teuer bleibt.»

Transportunternehmer Wipfli findet staatliche Unterstützung nur im äussersten Notfall richtig. Doch nun sagt auch er: «Die Branche hat sehr kleine Margen und somit gehen diese Kosten schnell an die Substanz.»

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