Die Lancierung vor sechs Jahren war eine Kampfansage. Das Start-up Ostschweizer Medien AG wollte mit einer Online-Newsplattform den Medienmarkt im Osten des Landes aufmischen. Doch nun werfen die Verantwortlichen aus ökonomischen Gründen das Handtuch - und stellen ihr Online-Portal im Verlauf des Monats ein.
«Wir mussten drei Kündigungen aussprechen», sagt Verlagsleiter Martin Oswald vom Medien-Portal zu «Persönlich» . Oswald ist gleichzeitig auch Regionalmedien-Chef von Galledia. Dieses Ostschweizer Verlagshaus hatte vor zwei Jahren eine Minderheitsbeteiligung am Start-up Ostschweizer Medien AG übernommen.
Grosse Ambitionen
Laut einer auf «Die Ostschweiz» aufgeschalteten Mitteilung ist die Printausgabe vom Oktober die vorerst letzte. Einzig zwei gedruckte Themen-Ausgaben zu Nachhaltigkeit und zur «goldenen Generation» 50+ sollen danach noch erscheinen. Seit 2020 erschien «Die Ostschweiz» in regelmässigen Abständen auch in gedruckter Form.
Ob der Name «Die Ostschweiz» nach der Einstellung der Newsplattform und den letzten gedruckten Ausgaben allerdings ganz verschwinden wird aus der Medienlandschaft, ist noch nicht ganz sicher. Laut Oswald behält sich Galledia den Titel vorderhand für weitere Nutzungen vor.
Dabei waren die Ambitionen einst gross. Bisweilen sehr gross sogar. Nichts weniger als die Meinungsvielfalt in der Ostschweiz (und zwischenzeitlich auch darüber hinaus) wieder herzustellen, war das Credo des Verlags um den rechtsfreisinnigen Verwaltungsratspräsidenten Peter Weigelt und die Redaktionsspitze.
Und die ersten Jahre mit dem streitbaren Chefredaktor Stefan Milius schien das Konzept aufzugehen. Zumindest publizistisch. Und in der Coronapandemie wagte sich die Ostschweiz dann sogar auf die nationale Bühne vor und konnte bisweilen auf ein grosses Echo zählen mit kritischen Beiträgen zu Corona-Massnahmen.
«Neuausrichtung» ist Schliessung
Wie die Ostschweizer Medien AG nun schreibt, hat sich im lokalen und regionalen Werbemarkt in den vergangenen Jahren allerdings «nur wenig Akzeptanz für Onlinewerbung entwickelt». Sprich: Ökonomisch haben sich die publizistischen Klick-Hits offenbar nicht ausbezahlt.
Vielmehr habe in den letzten Monaten sogar «ein weiterer, teilweise gravierender Rückgang des Werbevolumens beobachtet werden» müssen. Fazit: «Heute zeigt sich, dass sich die digitalen Medien weder auf lokaler, regionaler noch auch nationaler Ebene kommerziell rechnen.»
Darum habe sich der Verwaltungsrat schliesslich für «eine Neuausrichtung der Geschäftsstrategie beschlossen». Sprich: Die Schliessung der Online-Newsplattform. (sat)

