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Asien

Die Angst vor Peking wächst: Taiwan beginnt mit der grössten Militärübung aller Zeiten

Die kleine Insel probt den Ernstfall. Das Invasionsrisiko von Festlandchina steigt – und auch auf Trumps Beistand will man sich nicht gänzlich verlassen.

Diesmal ist auch die zivile Welt eingebunden: Eine Supermarktkette probt, wie sie im Fall eines Angriffs auf Taiwan humanitäre Hilfsgüter verteilen würde. Die Bevölkerung soll ausserdem lernen, wie sie sich bei Luftangriffen in Sicherheit bringen und evakuieren kann.

Soldaten bestücken einen Kampfjet mit einer Rakete: Auf dem Stützpunkt Hualien auf Taiwan rüstet man sich für die Militärübung.
Bild: Chiangying-Ying / AP

All dies wird geschehen, während das Militär mit erstmals 22'000 Reservisten die Verteidigung der Insel übt, unter anderem anhand von Abwehrsystemen gegen Angriffe aus der Luft, der See und vom Boden aus. Taiwan stellt sich auf den Ernstfall ein.

Seit Mittwoch regiert auf dem Inselstaat, der nur 120 Kilometer vom chinesischen Festland entfernt ist, ein simulierter Ausnahmezustand. Solche Militärübungen werden zwar jährlich abgehalten. Diesmal sind sie aber grösser als je zuvor: Mehr Personal, mehr Gerät, mehr Einbindung von Zivilistinnen, mehr Länge. Ganze zehn Tage und neun Nächte werden die Han-Kuang-Übungen dieses Jahr dauern – doppelt so lang wie bisher.

Taiwanesische Reservisten bei einer Gefechtsübung am 9. Juli 2025 in Miaoli County. Die Han-Kuang-Manöver testen die Verteidigung im Fall einer chinesischen Invasion.
Bild: Ritchie B. Tongo / EPA

Warum? Das Risiko, dass die Volksrepublik China in naher Zukunft die demokratisch regierte Insel Taiwan – offizieller Name: Republik China – angreift, sei zuletzt weiter gestiegen.

Taiwans Soldaten blicken bei ihren Vorbereitungen auch auf weitere Konflikte fernab der Heimat. Auf Grundlage von Lehren, die die Kriege in der Ukraine sowie im Nahen Osten bieten, will Taiwans Militär etwa auch die Chancen des Bestehens in einem Abnutzungskrieg testen, zu dem ein Angriff durch China wohl führen würde. Sollte ein Krieg ausbrechen, würde er vermutlich für lange Zeit andauern, so die Annahme. Gerade deshalb sei es von zentraler Bedeutung, erklärten zuletzt Offizielle des Militärs gegenüber der taiwanischen Nachrichtenagentur CNA, dass der zivile und der militärische Sektor eng kooperieren.

Die Drohungen aus Peking werden zahlreicher

Seit Jahren nehmen jedenfalls Häufigkeit und Lautstärke der Drohungen aus Peking zu, man werde sich Taiwan notfalls per Invasion einverleiben. Dieser Konflikt, häufig Taiwan-Konflikt genannt, reicht bis ins Jahr 1949 zurück, als der Chinesische Bürgerkrieg darin mündete, dass sich die unterlegenen Nationalisten vom Festland auf die Insel Taiwan absetzten, um dort ihre Republik China fortzuführen. Auf dem Festland installierten sich die Kommunisten und etablierten die Volksrepublik China.

Beide Staaten beanspruchen für sich nicht nur, das wahre, sondern auch, das einzige China zu sein. Während man sich in Taiwan allmählich vom Anspruch einer Rückeroberung verabschiedet hat, erhebt das von Peking aus regierte Festlandchina weiter Anspruch auf Taiwan. Gerade in den letzten Jahren, als das Wirtschaftswachstum nachliess, hat die Konzentration auf territoriale Expansion zugenommen. Peking will Taiwan auch deshalb kontrollieren, weil es dann mit der Marine so besseren Zugang zum Ozean hätte.

Zu Beginn der grossen Militärübung: Soldaten hissen die Flagge Taiwans.
Bild: Ritchie B. Tongo / EPA

Da dies insbesondere die USA und Japan, die im Pazifikraum ihren Einfluss bewahren wollen, zu vermeiden versuchen, hat wiederum deren Kooperation mit Taiwan zugenommen. Die USA liefern schon lange Militärgerät nach Taiwan. Aber auch in Japan wird betont, dass Taiwan bei der eigenen Sicherheitsstrategie eine zentrale Rolle spiele.

So sagt Narushige Michishita, einst bei Japans Selbstverteidigungskräften und heute Professor am Tokioter Graduate Institute for Policy Studies: «Wenn sich der US-Präsident verpflichtet fühlt, Taiwan zu verteidigen, dann sind wir dies auch.»

Schliesslich erklären sich die in diesem Jahr noch grösseren Militärübungen Taiwans nicht zuletzt dadurch, dass man auch in Taiwan nicht sicher ist, wie sich Donald Trump im Fall eines chinesischen Angriffs verhalten würde. Der seit Januar erneut amtierende US-Präsident hat auf mehreren Feldern die bisherige Linie der US-Aussenpolitik verworfen.

Dabei spielt man in letzter Zeit nicht nur in Taiwan Krieg. Im April übte sich das von Peking aus regierte Festlandchina im zentralen und südlichen Teil der Taiwanstrasse darin, präzise Angriffe auf wichtige Ziele sowie gemeinsame Blockaden zu simulieren. Shi Yi, Oberst des chinesischen Ostkommandos, erklärte damals in einer Mitteilung: «Die Übungen konzentrieren sich auf Identifizierung, Überprüfung, Warnung und Vertreibung sowie Abfangen und Festhalten.» In vielen Ohren klang es nach der Planung der ersten Stufe einer Invasion.