
Ende April berichtete CH Media, dass das Medienunternehmen Ringier die Einstellung des «Sonntagsblicks» prüfe. Nun meldet das Online-Magazin «Republik», der Entscheid sei gefallen: Die Sonntagspublikation werde Ende Jahr eingestellt.
Damit ginge ein zeitweise sehr erfolgreiches Kapitel der Schweizer Pressegeschichte zu Ende. Der «Sonntagsblick», gegründet 1969, war lange eine einträgliche Zeitung, die gegen eine Million Leserinnen und Leser erreichte.
Zahl der Leserinnen und Leser ist eingebrochen
Mit einem publizistischen Schlingerkurs begann der Abstieg. Im SoBli von heute findet man kaum noch berührende Schicksalsgeschichten – obwohl das ein klassisches Boulevard-Genre ist. Zurzeit kommt das Blatt auf 265'000 Leserinnen und Leser. Damit liegt es unter den drei Sonntagstiteln in der Deutschschweiz nur noch auf Rang drei.
Die Werbeeinnahmen gingen ebenso zurück. Das Problem betrifft die ganze Medienbranche: Ein wachsender Teil der Werbebudgets fliesst zu amerikanischen Digitalkonzernen wie Google und Meta.
Wie reagiert Ringier auf die Meldung, dass der «Sonntagblick» Ende Jahr eingestellt werde? Sprecherin Johanna Walser sagt: «Die Branchengerüchte rund um den SoBli sind uns bekannt. Ankündigungen machen wir dann, wenn es etwas anzukündigen gibt.»

Das ist keine Bestätigung, aber es ist auch kein Dementi. Ringier könnte erklären: «Wir denken keine Sekunde daran, den ‹Sonntagsblick› vom Markt zu nehmen.» Stattdessen gibt das Unternehmen lediglich zu verstehen, dass es sich später zur Angelegenheit äussere.
Es ist zu erwarten, dass Ringier nach der Einstellung des SoBli den gedruckten Samstags-«Blick» zu einer Wochenendausgabe ausbaut. Der Schritt dürfte auch die Konkurrenzverlage Tamedia und NZZ beschäftigen.
Einstellung beschäftigt auch NZZ und Tamedia
Bisher teilten sich die drei Unternehmen die hohen Zustellkosten für den «Sonntagsblick», die «Sonntagszeitung» und die «NZZ am Sonntag». Fällt der «Sonntagsblick» weg, müssen Tamedia und die NZZ einen grösseren Anteil dieses Aufwandes tragen.
Mit Genugtuung dürfte die Konkurrenz den Rückzug des «Sonntagsblicks» kaum aufnehmen. Im Gegenteil: Für die verbleibenden Titel steigen die Kosten für die Zustellung in die Haushalte. Damit stellt sich die Frage, ob auch die «Sonntagszeitung» und die «NZZ am Sonntag» unter Druck geraten – oder ob sie den finanziellen Rückschlag mit weiteren Erhöhungen der bereits gestiegenen Abonnementspreise teilweise auffangen können.
Vor allem die sportinteressierte Leserschaft dürfte das Ende des «Sonntagsblicks» mit Wehmut zur Kenntnis nehmen. Der Sportteil der Zeitung fiel mit Recherchen über Fussballtransfers auf und mit der Begleitung grosser europäischer Ligen. Damit hat es in gedruckter Form bald ein Ende. Die übrigen Teile des Blattes vermochten sich in letzter Zeit hingegen wenig zu profilieren.


