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Editorial

Der FDP fehlen die Köpfe

Wer wird Nachfolger des abtretenden Parteipräsidenten Thierry Burkart? Nun sagt auch Kronfavorit Damian Müller ab. Das verheisst nichts Gutes.

Der Titel dieser Kolumne ist 14 Jahre alt. Er stand – als Zitat – über einem Interview, das diese Zeitung 2011 publiziert hat. Wörtlich sagte René Rhinow, Staatsrechtsprofessor und langjähriger FDP-Ständerat: «Die FDP hat auf Bundesebene zu wenig kompetente, profilierte und glaubwürdige Persönlichkeiten.»

Dafür erntete Rhinow parteiintern heftigen Protest. Das erzählte er mir diese Woche, als wir uns begegneten. Zufälle gibt’s: Kurz danach sagte mir Kollege Othmar von Matt von der Bundeshausredaktion, Damian Müller werde nicht für das FDP-Präsidium kandidieren. Er hatte den Luzerner Ständerat soeben interviewt.

Fehlen der FDP die Köpfe (auch) im Jahr 2025? Eigentlich gäbe es sie. Aber sie wollen sich nicht exponieren. Thierry Burkart tritt früher als erwartet als Präsident zurück. Und potenzielle Nachfolger winken ab – einer nach dem anderen. Vor Damian Müller sagte bereits die Zürcher Nachwuchshoffnung Andri Silberschmidt ab, ebenso Nationalratspräsidentin Maja Riniker aus dem Aargau. Und auch die St. Gallerin Susanne Vincenz-Stauffacher soll zögern. Sie sei unsicher, «ob sie sich das antun soll», ist aus ihrem Umfeld zu hören. Der FDP fehlen also die Köpfe, die den Mut – oder die Kühnheit – aufbringen, in den Ring zu steigen.

Profiliert, aber nicht immer gern exponiert: Der abtretende FDP-Präsident Thierry Burkart (am Rednerpult) und Damian Müller, Jacqueline de Quattro, Christian Wasserfallen und Damien Cottier (von links nach rechts).
Bild: Peter Klaunzer / KEYSTONE

Offenbar mangelt es am Glauben – oder an der Kraft –, die FDP bei den Wahlen 2027 zum Erfolg zu führen. Niemand will der Präsident sein, unter dem der zweite Bundesratssitz verloren geht. Doch genau das droht, falls die Mitte die FDP überholt – was nach dem knappen Rückstand bei den letzten Wahlen alles andere als ausgeschlossen ist.

Rhinow sagte im Interview von 2011 noch etwas. Die FDP werde nicht in erster Linie wegen eines Programms gewählt, sondern wegen ihrer Persönlichkeiten. Die SVP und die Grünliberalen dagegen, weil sie Bewegungen seien. Auch dieser Befund stimmt noch immer – im heutigen Social-Media-Zeitalter vielleicht noch mehr als damals. Profilierte Köpfe, mutige Köpfe sind für die FDP überlebenswichtig.