Der kanadische Premierminister, im Amt seit Mitte März, kann weiterregieren. Die Liberale Partei von Regierungschef Mark Carney, 60, hat am Montag die Wahl in Kanada gewonnen und wird wieder stärkste Kraft im Parlament. Vorläufige Resultate des öffentlich-rechtlichen Senders CBC haben allerdings darauf hingedeutet, dass die Liberal Party die absolute Mehrheit im Parlament klar verpassen wird. Carney wird deshalb wohl erneut eine Minderheitsregierung bilden müssen.
So oder so, das Resultat ist ein Erfolg für den politischen Neuling Carney, der lange Jahre als Chef der kanadischen Notenbank und der Bank of England diente. Der ehemalige Technokrat wagte erst zu Jahresbeginn den Wechsel in die Politik. Er ersetzte den gescheiterten Premierminister Justin Trudeau, 53, der nach zehn Jahren im Amt den Draht mit der Bevölkerung verloren hatte.
Trudeau musste auch abtreten, weil liberale Abgeordnete ein Debakel in der anstehenden Wahl gegen den konservativen Oppositionschef Pierre Poilievre, 45, befürchteten. Sämtliche Meinungsumfragen sagten bis vor wenigen Wochen noch einen deutlichen Sieg der Conservative Party voraus.
Trump findet die Annexion von Kanada «grossartig»
Doch es kam anders. Und zwar nicht nur aufgrund des Führungswechsels an der Spitze der Liberalen Partei, sondern auch, weil Carneys Partei indirekte Wahlhilfe vom amerikanischen Präsidenten erhielt. Mit seinen ständigen Spitzen gegen das souveräne Nachbarland verdrängte Donald Trump das wichtigste Thema der Konservativen, die hohen Lebenshaltungskosten in Kanada, aus den Schlagzeilen.
Sowohl Liberale als auch Konservative zeigten sich empört über Trumps ständiges Gerede, Kanada wäre als Teil der USA besser aufgehoben. «Ich finde, das wäre grossartig», sagte der amerikanische Präsident zuletzt in einem am Montag publizierten Interview gegenüber der Zeitschrift «The Atlantic». Poilievre, stilistisch nicht weit von Trump entfernt, sah sich zuletzt am Wochenende dazu gezwungen, den amerikanischen Präsidenten zur Mässigung aufzurufen.
7,3 Millionen Stimmberechtigte gaben bereits vor dem eigentlichen Wahltag ihre Stimme ab – ein Rekordwert. Das Zünglein an der Waage, wiederum gemäss vorläufigen Resultaten, spielte wohl die Provinz Québec. Während Poilievre in Ontario Sitze gewann, konnte Carney im Grossraum Montréal zulegen — obwohl er anfänglich nur schlecht Französisch sprach.
