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In eigener Sache

Familie Wanner übernimmt CH Media zu 100 Prozent: «Langfristig denken ist ein Vorteil»

Die NZZ hält bislang 35 Prozent an CH Media, das ändert sich jetzt. Warum? Und wie lief das vergangene Geschäftsjahr? CEO Michael Wanner im Interview.
«Unsere Ambition bleibt unverändert: Wir wollen das führende private Medienunternehmen der Deutschschweiz sein», sagt Michael Wanner.
Bild: Severin Bigler

CH Media, zu der auch dieses Newsportal gehört, schliesst das Geschäftsjahr 2025 mit einem deutlich besseren Ergebnis ab – was hat dazu beigetragen?

Michael Wanner: Diese positive Entwicklung haben wir uns in den letzten drei Jahren hart erarbeitet. Bei den Kosten zeigt sich, dass die Sparanstrengungen richtig und notwendig waren. Dass wir im vergangenen Jahr den Umsatz trotz anhaltendem Strukturwandel nahezu stabil halten konnten, ist eine bemerkenswerte Leistung.

Was war anders als in den Vorjahren, dass der Umsatz weitgehend gehalten werden konnte?

Es macht sich bezahlt, dass wir uns strategisch voll aufs Kerngeschäft konzentrieren und weiter in unsere starken Marktpositionen investieren. Besonders freut mich das Umsatzwachstum bei Watson und im Zeitungsdruck sowie die Tatsache, dass wir in der zweiten Jahreshälfte 2025 unseren Abo-Bestand bei den Zeitungsmarken inklusive der digitalen Angebote erstmals stabilisieren konnten – das ist in unserem Markt keine Selbstverständlichkeit.

Mit der Übernahme des verbleibenden NZZ-Aktienanteils ist CH Media nun zu 100 Prozent im Besitz der Familie Wanner – und das just im Generationenwechsel. Zufall oder von langer Hand geplant?

Der Schritt war beidseits seit Längerem geplant. Das 2018 geschlossene Joint Venture hat seine Aufgabe erfüllt und war für beide Medienhäuser wertvoll. Jetzt ist für die NZZ wie auch für uns der richtige Zeitpunkt gekommen, wieder getrennte Wege zu gehen.

Gemeinsam mit seinen Geschwistern Florian und Anna übernahm Michael Wanner das Familienunternehmen Ende 2025 in fünfter Generation.
Bild: Alex Spichale

Warum gerade jetzt?                                                                                           

Die vollständige Rückführung des Unternehmens in Familienbesitz ist auch im Kontext des Generationenwechsels zu sehen, den wir gerade vollziehen. Für meinen Vater schliesst sich ein Kreis: Das Unternehmen ist wieder vollständig im Familienbesitz, das macht die Übergabe an die nächste Generation sicher etwas leichter.

Was hat das Joint Venture mit der NZZ rückblickend gebracht?

Es war goldrichtig. In einem strukturell rückläufigen Markt war die Bündelung der Kräfte ein logischer Schritt. Dank unserer Grösse konnten wir Skaleneffekte nutzen und gleichzeitig die Qualität steigern. Bestes Beispiel ist unsere Mantelredaktion. Diese ist mit rund 50 Journalistinnen und Journalisten für den überregionalen Teil unserer 18 Zeitungen heute deutlich besser als es die zwei Vorgängerredaktionen je waren. Zusammen mit unseren Teams in den Regionen ergibt das eine publizistische Stärke, die CH Media heute auszeichnet.

Wie viel mussten Sie für den Rückkauf bezahlen und wie wurde er finanziert?

Die Transaktion ist solide finanziert. Einen substanziellen Teil der Finanzierung haben wir durch den Verkauf von nicht betriebsnotwendigen Immobilien sichergestellt. Den Rest finanzieren wir über den laufenden Cashflow, weshalb es wichtig bleibt, dass wir unser Geschäft weiterhin profitabel betreiben.

Was geschieht mit den NZZ-Regionalsendern Tele1 und TVO?

Tele1 und TVO waren nicht Teil der 35-Prozent-Beteiligung, sie gehören der NZZ. CH Media erbringt für beide Sender weiterhin redaktionelle und technische Dienstleistungen. Für Mitarbeitende und Publikum ändert sich nichts. Eine mögliche Übernahme in unsere Regionalsender-Familie wäre erst ein Thema, wenn die sogenannte 2+2-Regel fällt. Diese Regel limitiert heute die Anzahl konzessionierter Sender pro Unternehmen.

Was bedeutet der Ausstieg für den Verwaltungsrat?

Die beiden NZZ-Vertreter Felix Graf und Jörg Schnyder scheiden aus dem Gremium aus. Über die Neubesetzung der offenen Sitze kommunizieren wir zu einem späteren Zeitpunkt.

Was ist die Ambition von CH Media nach der 100-Prozent-Übernahme durch die Verlegerfamilie?

Unsere Ambition bleibt unverändert: Wir wollen das führende private Medienunternehmen der Deutschschweiz sein – mit klarer journalistischer DNA, starker regionaler Verankerung und unternehmerischer Eigenständigkeit. Als familiengeführtes Unternehmen können wir langfristig denken und handeln. Das ist ein klarer Vorteil, gerade in der Transformation, in der sich die Medienindustrie befindet.

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