Welche Bus- und Carunglücke erschütterten die Schweiz?
5 Tote und 40 Verletzte: Der Carunfall im Engadin ist das jüngste einer Reihe tragischer Busunglücke, die sich in den vergangenen 25 Jahren in der Schweiz ereignet haben:
- 2018, Zürich: Ein Flixbus gerät am Autobahnende in Zürich Wiedikon auf der schneebedeckten Strasse ins Schleudern und prallt mit 48 km/h in eine Betonwand. Zwei Passagiere sterben. Der Fahrer wurde später unter anderem wegen fahrlässiger Tötung verurteilt, weil er seine Fahrweise nicht den widrigen Strassenverhältnissen angepasst und viel zu spät gebremst hatte hatte.
- 2012, Siders VS: Einer der schwersten Verkehrsunfälle Europas der jüngeren Vergangenheit ist das Carunglück von Siders im März 2012. 28 Menschen, darunter 22 Schulkinder aus Belgien, kommen ums Leben, als ein belgischer Reisecar frontal gegen eine Betonwand im Autobahntunnel kracht. Die beiden Schulklassen waren auf dem Heimweg von einem Skilager. Die Unfallursache konnte nie abschliessend geklärt werden, die Untersuchung wurde 2014 eingestellt. Man geht davon aus, dass eine Unaufmerksamkeit des Chauffeurs oder ein medizinisches Problem bei ihm zum Drama führte.
- 2010, Reckingen VS: Der Car einer kanadischen Reisegruppe kommt von der Strasse ab und kippt. Zwei Touristen sterben.
- 2006, Zillis GR: 9 Menschen kommen ums Leben, als der Reisecar einer Eishockeymannschaft im Viamalatunnel mit einem Auto kollidiert.
- 2005, Orsières VS: Ein Schweizer Reisecar, unterwegs vom Bieler Seeland an die italienische Mittelmeerküste, stürzt von der nassen Passstrasse zum Grossen St. Bernhard rund 200 Meter in die Tiefe. 12 Passagiere sterben.
Sind Carreisen gefährlicher als Fahrten mit anderen Verkehrsmitteln?
Grundsätzlich gehören Cars zu den sichersten Verkehrsmitteln, wie ein Blick in die Unfallstatistiken zeigt. Das Risiko, bei einer Carfahrt zu verunglücken, ist viel kleiner als bei einer Autofahrt. 2024 kamen in der EU knapp 20'000 Personen bei Strassenverkehrsunfällen ums Leben. 0,3 Prozent der Opfer befanden sich in Cars und Bussen, 44 Prozent sind Autofahrer oder -mitfahrer. Bei 17 Prozent der Toten handelte es sich um Fussgängerinnen und Fussgänger.
Doch kommt es zum Car- oder Busunfall, kann dieser tragische Folgen haben. Allein deshalb, weil in einem Car meist viele Menschen sitzen. Zudem sind die Fluchtmöglichkeiten beschränkt, beispielsweise wenn ein Feuer ausbricht. Das hat der Postautobrand von Kerzers diesen Frühling gezeigt, bei dem sechs Passagiere ums Leben kamen. Anders als bei einem Auto hat ein Bus zudem nur auf einer Seite Türen. Kippt er auf diese Seite, wie beim Unglück im Engadin geschehen, führt der Weg aus und für die Rettungskräfte in den Bus einzig durch die Fenster, die dafür eingeschlagen werden müssen, oder Dachluken.
Was können Passagiere zur Sicherheit beitragen?
«Als Passagier hat man nur begrenzt Einfluss auf die Sicherheit», schreibt die Versicherung Axa auf Anfrage. Aus Präventionssicht sei wichtig, dass die Passagiere zu jeder Zeit angeschnallt sind, während der Fahrt sitzen bleiben und ihr Gepäck sicher verstauen.
Wichtig sei zudem, dass man – wie im Auto auch – möglichst aufrecht sitzt. «Kommt der Körper zu stark in eine horizontale Position, liegt der Gurt nicht mehr optimal am Körper an.» Die Präventionsexperten von Axa raten ebenfalls, die Füsse unter keinen Umständen hochzulegen oder sich quer auf die Sitze zu legen.
Gilt auch im Car Angurtpflicht?
Ja. Seit 2006 muss man sich auch in Reisebussen angurten. Das Transportunternehmen muss die Passagiere auf die Pflicht aufmerksam machen, sei es mit Piktogrammen oder einer Durchsage.
Eine Ausnahme gibt es für Busse des öffentlichen Verkehrs. In diesen muss man sich nicht einmal angurten, wenn man auf der Autobahn unterwegs ist. Das Anschnallen wird lediglich empfohlen.
Spielt bei einem Unglück eine Rolle, wo man sitzt?
Pauschale Aussagen sind laut Axa schwierig, da jeder Unfall anders ist. Wichtig aus Präventionssicht sei, dass die Passagiere zu jeder Zeit angeschnallt sind. «Der Sicherheitsgurt schützt unabhängig vom Sitzplatz davor, aus dem Sitz geschleudert zu werden, was schwere Verletzungen unter Umständen verhindern kann.»
Kippt ein Car schneller als andere Fahrzeuge?
Ein Car hat aufgrund seiner Bauweise einen höheren Schwerpunkt als etwa ein Personenwagen. «Dadurch unterscheidet sich das Fahrverhalten in bestimmten Situationen», so die Axa. Bei gewissen Ausweichmanövern oder dem Verlassen der Fahrbahn könne die Kippgefahr eine Rolle spielen. «Das bedeutet aber nicht, dass ein Car leicht umkippt. Denn moderne Cars sind so konstruiert, dass sie – ordnungsgemässe Wartung vorausgesetzt – grundsätzlich sicher sind.»
Ob ein Fahrzeug effektiv umkippt, hängt von vielen Faktoren ab wie zum Beispiel der Geschwindigkeit, dem Fahrmanöver oder den Strassenverhältnissen.
Wie viele Cars werden wegen Sicherheit beanstandet?
Aus der Statistik der Schwerverkehrskontrollen geht hervor, dass vergangenes Jahr 678 sogenannte Gesellschaftswagen kontrolliert wurden – also Cars oder Reisebusse. Die Kontrollen erfolgen stichprobenmässig. Davon wurden 148 beanstandet und 31 die Weiterfahrt verwehrt.
Kantonale Berichte geben Aufschluss über mögliche Gründe für die Beanstandungen. In Uri wurden etwa am 13. August insgesamt 13 Cars oder Reisebusse kontrolliert. Bei zweien wurden technische Mängel festgestellt – unter anderem Öl- und Kraftstoffaustritte und eine Softwaremanipulation an einem Abgassteuergerät.

