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Zollstreit

Bye, bye, iPhone und Netflix: Mitte-Nationalrat ruft zum Boykott von US-Produkten auf

Der Berner Mitte-Politiker Reto Nause hat die Nase voll von Trump. Er will keine US-Produkte mehr kaufen und fordert auch andere auf, ihre Kaufentscheide gut zu überdenken. Doch was bringt das?
«Trump versteht nur martialische Sprache», glaubt Mitte-Nationalrat Reto Nause.
Bild: Alessandro Della Valle / Keystone

Angesichts der horrenden Zölle, die die USA gegenüber der Schweiz verhängt haben, ist dem Berner Mitte-Nationalrat Reto Nause der Appetit auf McDonald's-Burger, Mars oder Pringles vergangen. Er werde seine privaten Kaufentscheide aufgrund des Zollhammers «radikal überdenken», schreibt er auf X und ruft auch andere zum US-Boykott auf. «Die Masse der Schweizer Konsumenten kann vielleicht eine Reaktion auslösen», meint der Mitte-Politiker. Sein Appell: «Kauft bewusst! Zollhammerstaaten sind unsympathisch!»

Es ist nicht zu überlesen: Nause ist sauer. Er rege sich masslos auf, sagt der Politiker – über die Willkür von US-Präsident Donald Trump. Aber auch, zumindest ein bisschen, über den Bundesrat . Aus seiner Sicht hätte dieser mehr Härte zeigen müssen. Dass Nachverhandeln die richtige Taktik sei, bezweifle er. «Ich glaube, Trump versteht nur martialische Sprache.»

Auf der Suche nach einer Alternative zum iPhone

Darum will sich der ehemalige Sicherheitsdirektor der Stadt Bern künftig gut überlegen, was im Einkaufskorb landet. «Ich bin zum Beispiel ein iPhone-Junkie. Doch wenn ich das nächste Mal ein Handy kaufe, werde ich mich nach einer anderen Marke umsehen», sagt er. Zudem gebe es auch bei virtuellen Speicherdiensten oder Streaminganbietern valable Alternativen zu US-Produkten. Solche Dienstleistungen hat Trump in der Handelsbilanz nicht berücksichtigt – dabei bezieht die Schweiz in diesem Bereich deutlich mehr aus den USA als umgekehrt.

Bereits nach den ersten Zoll-Ankündigungen vergangenen April machten Boykottaufrufe für US-Produkte die Runde, weit über die Schweiz hinaus.

Bei einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov im Auftrag von Onlinehändler Galaxus gab rund die Hälfte der Befragten an, künftig bewusst auf US-Produkte und US-Dienstleistungen wie Nike-Turnschuhe oder das Netflix-Abo verzichten zu wollen. Stattdessen sucht man vermehrt nach Alternativen. Knapp die Hälfte der befragten Schweizerinnen und Schweizer wäre dafür auch bereit, etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Die Umfrage wurde bereits im April und Mai dieses Jahres bei Personen in der Schweiz und den benachbarten Ländern durchgeführt. Zumindest in der Schweiz dürften Anti-USA-Ressentiments seither nicht kleiner geworden sein.

Was bringt ein Boykott?

Doch selbst wenn Schweizerinnen und Schweizer aus Trotz gegen die Monsterzölle künftig konsequent den Espresso beim Beck statt bei Starbucks trinken und von Apples iPhone auf ein koreanisches Samsung-Handy umsteigen: Die US-Wirtschaft dürfte das nicht sonderlich schmerzen. Nur bei einem kleinen Teil der US-Importe in die Schweiz handelt es sich um Konsumgüter. Die Schweiz bezieht aus den USA vor allem Edelmetalle, aber auch Maschinen und Pharmazeutika.

Reto Nause ist trotzdem überzeugt, dass Konsumentinnen und Konsumenten mit ihren Kaufentscheiden etwas bewirken können. Als Beispiel führt er Tesla an: Elon Musks Elektroauto-Unternehmen verzeichnete im vergangenen Quartal im Vergleich zum Vorjahr einen happigen Umsatzeinbruch. Ein wichtiger Grund: die (einstige) Nähe Musks zu Trump und damit verbundene Boykottaufrufe.