Bundesratskandidatin

«Jede Mutter muss frei entscheiden können, ob sie arbeiten will oder nicht»

SVP-Nationalrätin Céline Amaudruz will Bundesrätin werden: Was sie auf Fragen zur Vereinbarkeit des Amts mit ihrer Rolle als Mutter zweier Kleinkinder und  den drängendsten politischen Fragen sagte.

Céline Amaudruz hat bei der Ankündigung ihrer Bundesratskandidatur in Genf am Donnerstag zu verschiedenen Themen Stellung genommen. Hier zentrale Zitate – aus dem Französischen übersetzt und leicht redigiert.

Zur Armee

«Bei unserer Armee reiht sich heute eine Panne an die nächste. Dabei brauchen wir eine glaubwürdige und starke Armee. Mit all diesen Pannen, die sich häufen, haben wir das Vertrauen der Bevölkerung verloren. Warum ich die Armee ebenfalls zu den grossen Herausforderungen zähle? Weil meine erste Sorge darin besteht, dass der Krieg an unseren Grenzen ist. Und auch wenn viele sagen, die Schweiz werde nicht angegriffen: Sie wird umso weniger angegriffen, wenn wir eine starke und glaubwürdige Armee haben.»

Zur Wirtschaft

«Wir sehen, dass die Kaufkraft der Bevölkerung Tag für Tag sinkt. Das ist eine grosse Sorge. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass das Rückgrat unseres Landes, die Mittelschicht, Ende Monat über die Runden kommt. Und damit sie Ende Monat über die Runden kommt, brauchen wir ein Land mit einer starken Wirtschaft. (...) Was bedeutet das? Es bedeutet, möglichst viele Freihandelsabkommen abzuschliessen und gleichzeitig die Landwirtschaft zu schützen.»

Zu den EU-Verträgen

«Unsere Unabhängigkeit und unsere Souveränität stehen auf dem Spiel. Und für mich liegt die Stärke der Schweiz darin, dass wir unsere Unabhängigkeit und unsere Souveränität bewahren konnten. (...) Heute bin ich Céline Amaudruz, Nationalrätin und Vizepräsidentin der SVP. Und solange ich nicht gewählt bin, werde ich der Bevölkerung erklären, weshalb man dieses Projekt mit der Europäischen Union nicht unterstützen sollte. Aber wenn mich die Bundesversammlung in den Bundesrat wählt, werde ich in die Rolle der Bundesrätin schlüpfen und meinen Ton mässigen – um nicht zu sagen: ändern.»

Zur Rolle als Bankenlobbyistin

«Ich arbeite, wie viele andere Parlamentarier auch. Und ja, ich arbeite im Bereich des Schweizer Finanzplatzes. Ich bin mit den Herausforderungen unseres Finanzplatzes sehr eng verbunden. Er macht mehr als neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Deshalb werde ich dafür kämpfen, dass wir einen starken Finanzplatz haben. Denn man muss wissen: Andere Länder deregulieren, während bei uns weiter reguliert wird. Bin ich deshalb die Lobbyistin von Sergio Ermotti? Nein. Ich bin niemandes Lobbyistin.»

Zu ihren kleinen Kindern und dem Bundesratsamt

«Es macht mich wütend, dass wir heute noch darüber sprechen. Und ich will Ihnen gar nicht die banale Antwort geben: ‹Diese Frage würden Sie einem Mann nicht stellen.› Es macht mich wütend. Ich sage das mit aller Demut: Wenn meine Kandidatur berücksichtigt wird, wenn ich auf das Ticket komme und wenn ich gewählt werde – davon sind wir noch weit entfernt –, und wenn ich dann ein Beispiel für Frauen sein kann, die Mütter sind, dann würde mich das sehr stolz machen. Denn heute kann man einer Mutter nicht sagen, sie müsse in eine bestimmte Schublade passen. Jede Mutter muss frei entscheiden können, ob sie arbeiten will oder nicht.» (sbü.)

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