
Warum wollen Sie Bundesrat werden?
Jean-Pierre Gallati: Führungsverantwortung und schwierige Aufgaben packe ich gerne an. Voraussichtlich wird das neue Mitglied des Bundesrats einen der beiden Bereiche Justiz und Migration oder Armee-Landesverteidigung übernehmen. Dafür fühle ich mich gerüstet – vor allem aufgrund meiner bisherigen Aufgaben im Kanton Aargau.
Sie waren als Fraktionschef im Aargauer Kantonsrat ein Hardliner Ihrer Partei – und sind es im Regierungsrat nicht mehr. Haben Sie Ihre Überzeugungen dem Amt angepasst?
Ein Fraktionschef vertritt in der öffentlichen Debatte immer die Haltung seiner Partei. Hinter den Kulissen aber – vor allem in der Kommissionsarbeit – führt er auch Vergleichsgespräche und sucht Kompromisse. Als Regierungsrat ist es meine Aufgabe, Mehrheiten für gute Lösungen zu finden. Manchmal gilt es auch, Aufträge des Parlaments umzusetzen, die der Gesamtregierungsrat oder man selber ablehnt.
Sie waren nur während einer Session im Nationalrat. Haben Sie genug Kontakte ins Bundesparlament, damit Sie effizient für Ihre Kandidatur werben können?
Langjährige Mitglieder der beiden Kammern haben hier sicher einen Startvorteil. Dass es auch anders geht, hat die Wahl von Martin Pfister im letzten Jahr gezeigt.
Guy Parmelin findet, dass es im Bundesrat einen Generationenwechsel brauche und die Wahl einer Frau gut wäre. Was sagen Sie als 60-jähriger Anwärter dazu?
Diese Frage wird vorab die SVP-Fraktion und anschliessend die Vereinigte Bundesversammlung entscheiden. In der aktuell turbulenten Lage in Europa wird sicher auch die Krisentauglichkeit ein Kriterium sein. Das neue Mitglied des Bundesrats wird sich nicht in einer Schönwetterzone bewegen, sondern er wird sich mehrheitlich mit Krisen befassen. Dafür braucht es Führungserfahrung und die Fähigkeit, das Parlament und die Bevölkerung zu überzeugen. Diese Qualitäten dürften bei dieser Wahl im Vordergrund stehen.
In der Pandemie ging der Kanton Aargau noch vor dem Bund in den zweiten Lockdown. Kann Ihre Haltung als Gesundheitsdirektor parteiintern zum Stolperstein werden auf dem Weg zum SVP-Ticket?
Der Kanton Solothurn hat wenige Tage nach dem Kanton Aargau den gleichen Entscheid gefällt, der Bundesrat drei Wochen später. Diese auf Antrag der Spitäler vom Aargauer Regierungsrat und später vom Bundesrat ergriffene Massnahme diente dem Schutz von Menschenleben beziehungsweise dem Erhalt der Spitalkapazitäten, vor allem auf den Intensivstationen.
Das Verhältnis zu meiner Partei und zur Parteileitung ist sehr gut.
Ihr Vorname lässt auf eine Verbindung zur Frankophonie schliessen. Ist es so?
Meine Eltern waren stark mit der Romandie verbunden, wo wir als Familie die meisten Ferien verbrachten. So kam es zu den französischen Vornamen der beiden Söhne.
