Klimawandel

Kampf gegen Hitzetote: Bundesrat zieht Konsequenzen aus Extremsommer

Der Bundesrat wird konkreter: Im Kampf gegen Hitze und Trockenheit präsentiert er 56 Massnahmen in einem Aktionsplan.

Europa erlebte 2026 einen Sommer der Extreme. 50'000 Menschen kostete er das Leben, geht aus einer Schätzung von Wissenschaftlern des Imperial College London und der London School of Hygiene & Tropical Medicine hervor. Auch die Schweiz verzeichnete eine Übersterblichkeit von mehreren hundert Personen. Wie viele Menschen hierzulande an den Folgen der Hitze starben, ist allerdings noch nicht genau erfasst.

Nun geht der Bund über die Bücher. An seiner Sitzung vom Mittwoch verabschiedete der Bundesrat einen Aktionsplan mit 56 Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel. Darunter erhält das Bundesamt für Gesundheit (BAG) den Auftrag, ein neues Kompetenzzentrum aufzubauen. Dieses soll unter anderem das Monitoring von hitzebedingten Todesfällen und Hospitalisationen weiterentwickeln und untersuchen, wie wirksam Anpassungsmassnahmen sind.

Es ist bereits die zweite grössere Debatte in der Landesregierung zu diesem Thema innert zwei Monaten. Nach dem aussergewöhnlich heissen und trockenen Sommer hatte der Bundesrat zusätzliche Unterstützung für Wald und Landwirtschaft beschlossen und weiterführende Massnahmen in Aussicht gestellt. Dabei sollte unter anderem die Gesundheit der Bevölkerung stärker in den Fokus rücken.

Damit sich Bund, Kantone und Gemeinden besser auf Hitze- und Trockenperioden vorbereiten können, soll das Bundesamt für Meteorologie zudem neue nationale Hitzekarten und Extremszenarien entwickeln. «Diese zeigen, wie stark Wohngebiete in Stadt und Land, kritische Infrastrukturen sowie Landwirtschafts- und Waldflächen betroffen sind», schreibt der Bundesrat. Ergänzende Worst-Case-Szenarien sollen aufzeigen, welche Hitzeextreme heute und künftig möglich sind.

Die mangelnde Vorbereitung auf Extremereignisse hatte im Vorfeld zu reden gegeben, wie diese Zeitung gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz publik gemacht hat. Die neuen Analysemodelle sollen «eine einheitliche Lagebeurteilung ermöglichen, gezieltere Warnungen unterstützen und der Planung von Schutz- und Anpassungsmassnahmen dienen», heisst es weiter. Die Informationen und Daten sollen über ein öffentliches Hitze-Dashboard frei zugänglich werden.

Diskussion um Baustellen in der Hitze

Überhaupt fällt auf, wie breit der Bundesrat an seiner Sitzung die Anpassung an den Klimawandel diskutiert hat. Handlungsbedarf sieht der Bundesrat etwa auch auf Baustellen. Ein erster runder Tisch zu Bauarbeiten bei Hitze brachte keine Einigung. Nun soll das Innendepartement gemeinsam mit dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) die Sozialpartner erneut zusammenbringen. Ziel ist ein Konsens über Mindestanforderungen zum Gesundheitsschutz bei besonders hitzeexponierten Arbeiten.

Auch in der Landwirtschaft hat der trockene Sommer Probleme offengelegt. Im Fokus stehen insbesondere die Wasserversorgung in der Alpwirtschaft sowie Bewilligungen für Wasserspeicher und Bewirtschaftungswege. Der Bund will prüfen, wie sein Spielraum für raschere und einfachere Bewilligungsverfahren besser ausgeschöpft werden kann.

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