Yaël Meier steht auf dem Berner Waisenhausplatz und flüstert in eine pinke Box. Neben ihr tragen zwei Personen Pullover mit Kondomaufdruck. So sieht sie also aus, die neue Safer-Sex-Kampagne des Bundesamts für Gesundheit.
Entwickelt hat sie die Agentur Zeam von Unternehmerin und Influencerin Meier – und die bricht mit der bisherigen Love-Life-Tradition. Bisher haben die klassischen Plakatkampagnen zuverlässig für Gesprächsstoff gesorgt: mal, weil sie zu viel Haut zeigten, mal, weil sie für ein eigentlich aufregendes Thema etwas gar brav daherkamen.
«Schwierig, Junge zu schockieren»
Nun ändert das BAG seine Taktik. Die neue Kampagne richtet sich explizit an Jugendliche. Sie sollen ihre Fragen, Unsicherheiten und Geschichten in eine pinke Box flüstern, die durch die Schweiz reist. Aus den Aussagen entstehen Beiträge für die sozialen Medien, ergänzt mit Informationen und Einordnungen von Fachleuten.
«Es ist schwierig, die Jungen heute mit Sujets noch zu überraschen oder zu schockieren», sagt BAG-Direktorin Anne Lévy. Jugendliche müsse man dort erreichen, wo sie viel Zeit verbringen: auf den sozialen Medien.
«Die junge Generation hört Ikkimel und ist auf den sozialen Medien ständig mit sexualisierten Inhalten konfrontiert», fügt Yaël Meier am Rande der Medienkonfernez an. Was ihnen fehle, seien nicht provokante Bilder sondern verlässliche Informationen.
Steigende Zahlen bei Geschlechtskranheiten
Die Kampagne ist Teil eines ambitionierten Ziels des Bundes: Bis 2030 soll es in der Schweiz keine neuen Übertragungen von HIV sowie Hepatitis B und C mehr geben. Auch die Ansteckungen mit anderen sexuell übertragbaren Infektionen sollen sinken.
Tatsächlich haben gewisse Ansteckungen in den vergangenen Jahren zugenommen. Insbesondere die gemeldeten Fälle von Gonorrhö sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, seit dem vergangenen Jahr haben sie sich stabilisiert. Der Anstieg habe damit zu tun, dass mehr getestet werde, sagt Parham Sendi, Leiter der Abteilung für übertragbare Krankheiten beim BAG. Betroffen sind laut dem BAG vor allem Männer in der Altersgruppe der 25- bis 34‑Jährigen.
Mit der Love-Life-Kampagne will der Bund deshalb möglichst früh ansetzen. «In der Schweiz werden jedes Jahr rund 90'000 junge Menschen sexuell aktiv», sagt Sendi. Wer bereits zu Beginn verlässliche Informationen erhalte, solle auch später besser in der Lage sein, informierte Entscheidungen über die eigene sexuelle Gesundheit zu treffen.

