Verkehr

«Damit die Ausländer gratis durch die Schweiz fahren»: Tempo 80 sorgt für hitzige Reaktionen

Der Bund prüft Tempo 80 auf Schweizer Autobahnen, um bei einer Treibstoffknappheit den Verbrauch zu senken. Der Vorschlag bewegt unsere Leserschaft – und sorgt für überraschende Reaktionen.

Tempo 80 auf Schweizer Autobahnen, um bei einer Treibstoffknappheit Benzin und Diesel zu sparen? Die Massnahme, die der Bund für eine mögliche Mangellage vorbereitet – und die «Schweiz heute» publik gemacht hat – wird in der Leserschaft kontrovers diskutiert. Während die einen eine tiefere Höchstgeschwindigkeit für sinnvoll halten, lehnen andere sie strikt ab – oder schlagen überraschende Sparmassnahmen vor.

Ein Leser bringt seinen Frust mit Humor auf den Punkt: «Ich wäre froh, wenn man auf der Autobahn überhaupt 80 fahren könnte.» Ein anderer Leser findet, dass Transitfahrer für die Nutzung der Schweizer Autobahnen zu wenig bezahlen: «Alles, damit die Ausländer auf unseren Autobahnen gratis durch die Schweiz fahren können – zur Erinnerung: Die Vignette kostet uns für ein Jahr unglaubliche 40 Franken!» (Vorsicht: Sarkasmus; Anm. d. Red.)

Auch die Fahrzeuge selbst geraten in den Fokus. Statt die Geschwindigkeit für alle zu senken, schlägt ein Leser vor, bei der Motorleistung anzusetzen: «PS-Beschränkung bei Importfahrzeugen. 500 PS? Wozu? Um durch Rorschach zu fahren?»

Ein ehemaliger Fahrer, Disponent und Frachtvermittler wiederum sieht Sparpotenzial beim Güterverkehr. «Warum gibt es die vielen Lastwagen? Weil wohl die wenigsten überlegen, dass sie mit jeder Bestellung per Klick auch einen Transport auslösen.» In seinen mehr als 40 Jahren in der Transportbranche habe er immer wieder über unnötige Transporte den Kopf geschüttelt. Einer ist ihm besonders in Erinnerung geblieben: «Der unsinnigste Transport, den ich je ausführen musste: Ökoheu aus der Lüneburger Heide zu Pferdebesitzern in die Innerschweiz bringen.»

Besonders intensiv diskutiert wird die Frage, ob Tempo 80 auch für Elektroautos gelten soll. Die E-Auto-Fahrer sind «not amused», hier mit in die Verantwortung genommen zu werden: «Ich fahre ein Elektroauto und benötige keinen Sprit – auch keinen fossil hergestellten Strom. Muss ich nun aus Solidarität den Verbrennern mit 80 km/h hinterhertrotten?»

Autofreie Sonntage? Wohltuend!

Ein anderer Leser schildert ironisch, was seiner Ansicht nach passieren würde, wenn alle Menschen, die beruflich auf Benzin oder Diesel angewiesen sind, an einem Montagmorgen zu Hause blieben. Dann gäbe es «keine Zeitung, keinen Bus vor der Türe, keinen Handwerker, um die verstopfte Toilette zu reparieren». Sein Fazit: «Aber eben, es war ein Traum!»

Bei anderen weckt die Diskussion Erinnerungen an frühere Energiekrisen. Ein Leser würde noch weitergehen: «Und gleich noch einmal im Monat ein autofreier Sonntag.» Er könne sich noch gut an die autofreien Sonntage von 1956 und 1973 erinnern: «Das war jeweils sehr eindrücklich und wohltuend.»

Wer nur die teilweise empörten Kommentare liest, könnte den Eindruck gewinnen, Tempo 80 habe in der Leserschaft einen schweren Stand. Unsere aktuelle Abstimmung zeichnet allerdings ein anderes Bild.

Von bislang über 2000 Teilnehmenden (am Dienstagvormittag) halten 49 Prozent Tempo 80 für eine sinnvolle Sparmassnahme. Weitere 23 Prozent wären dafür, wenn tatsächlich eine akute Mangellage droht. Damit können sich insgesamt 72 Prozent grundsätzlich mit Tempo 80 anfreunden. 17 Prozent geht die Massnahme zu weit, weitere 11 Prozent wollen lieber auf andere Sparmassnahmen setzen.

So laut der Protest in der Kommentarspalte bisweilen ausfällt: Eine klare Mehrheit der Abstimmenden würde Tempo 80 mittragen - zumindest unter bestimmten Voraussetzungen.

Sagen Sie uns Ihre Meinung in den Kommentarspalten. Wir sind gespannt. (chm/yno)

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