Gefälschte Marken

Über eine halbe Milliarde: Der nächste China-Shop kassiert Mega-Busse aus Brüssel

Nach Temu wird ein weiterer, bekannter Billig-Shop aus China zur Kasse gebeten: Er muss über eine halbe Milliarde Euro Strafe zahlen, weil er nichts gegen illegale Produkte auf seiner Website unternimmt.
Billig-Elektronik und gefälschte Markenprodukte: Bei AliExpress gibt es Millionen davon. (Symbolbild)
Bild: Christian Beutler/Keystone

Sie heissen Aliexpress, Shein oder Temu: die drei grossen Online-Händler aus China. Mit ihren Tiefstpreisen stehen sie bei europäischen Kunden hoch im Kurs.

Doch viele der auf den Internetplattformen angebotenen Waren dürften in Europa gar nicht in Verkehr gebracht werden.

Ende Mai erwischte es schon Temu. Damals ging es vor allem um Sicherheitsaspekte: Babyspielzeug mit gefährlichen Chemikalien drin oder Ladegeräte, deren Kabel Feuer fangen. 200 Millionen Euro musste Temu deshalb an die EU-Kommission in Brüssel bezahlen.

Selbstkontrolle hat völlig versagt

Jetzt wird der Konkurrent Aliexpress zur Kasse gebeten. Die Busse fällt mit 550 Millionen Euro deutlich höher aus. Es geht um illegale Produkte wie gefälschte Markenartikel oder gefährliche Kosmetika. Millionen dieser Produkte seien im Shop erhältlich gewesen und trotz Meldung wochenlang weiter verfügbar geblieben oder wieder neu aufgetaucht. Interne Kontrollmechanismen hätten versagt, so das Fazit der EU.

Mehr noch: Teils seien die gemeldeten Produkte sogar explizit zum Kauf empfohlen worden. Die für die Prüfung der Produkte abgestellten Mitarbeitenden waren hoffnungslos überlastet. Oft blieben ihnen nur wenige Sekunden, um ein Produkt auf seine Zulässigkeit zu bewerten. Aliexpress hat nun bis zum September Zeit, eine Lösung für die Probleme aufzuzeigen. Ansonsten drohen weitere Massnahmen.

Ein separates Verfahren läuft seit Februar dieses Jahres auch gegen Shein. Für Aufsehen sorgte insbesondere der Vertrieb einer Sexpuppe, die wie ein Kind im Grundschulalter aussah. Frankreich drohte Shein daraufhin mit der Komplettsperrung wegen Verbreitung kinderpornografischer Inhalte.

Den Import illegaler Waren zu unterbinden, ist schwierig. Täglich wird Europa mit über zehn Millionen Kleinstsendungen aus China überflutet. Der Zoll kann höchstens Stichproben durchführen.

Um die Paketflut etwas einzudämmen, hat die EU seit Anfang Juli eine Steuer von drei Euro pro Sendung eingeführt. Diese zeigt anscheinend Wirkung: Im belgischen Lüttich, einem Drehkreuz für E-Commerce mit China, ging die Paketmenge in der ersten Juliwoche um 40 Prozent zurück. Für eine längerfristige Abschätzung ist es aber noch zu früh. Vielleicht werden die Sendungen auch einfach stärker gebündelt.

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