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Gesundheit

Mehr Turnlektionen in der Schule und 19 weitere Massnahmen für Bewegungsmuffel

Körperliche Inaktivität erhöht das Risiko für typische Volkskrankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Probleme. Die Allianz für Bewegung, Sport und Gesundheit fährt darum mit brisanten Forderungen auf.
Glücklich in der Turnhalle: Kinder beim Sportunterricht.
Bild: Archivbild: Chris Iseli/Aargauer Zeitung

Jede vierte Person in der Schweiz ist ein Sportmuffel: Sie erfüllt die Empfehlungen für Bewegung nicht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Erwachsenen mindestens 150 bis 300 Minuten Bewegung mit mittlerer Intensität pro Woche oder 75 bis 150 Minuten bei hoher Intensität. Das ist umgerechnet ein zackiger Spaziergang von 20 Minuten pro Tag.

Dass 2,2 Millionen Menschen dieses Minimalziel nicht erreichen, will die «Allianz Bewegung, Sport und Gesundheit» ändern. Denn diese Personen leben mit deutlich höherem Risiko, an Diabetes, Arthritis oder Krebs zu erkranken. Heute entfallen rund 80 Prozent der gesamten Gesundheitskosten auf solche chronischen Erkrankungen. Solche nichtübertragbaren Krankheiten verursachen direkte Kosten von bis zu 66 Milliarden Franken pro Jahr, wie das Bundesamt für Gesundheit im Dezember mitgeteilt hat.

Bewegung und Sport bilden zudem die Grundlage für physische und psychische Gesundheit. Doch die Prävention fristet in der Schweiz ein Mauerblümchendasein. Darum will die Allianz Bewegung, Sport und Gesundheit die Aktivität der Menschen mit 20 Massnahmen konkret fördern. Im Zentrum steht dabei die Förderung von Kindern und Jugendlichen, weil sich bei ihnen ein «gefährlicher Trend» abzeichnet, wie die Allianz schreibt. Für Fünfjährige empfiehlt die WHO täglich 180 Minuten Bewegung. Dieses Ziel erreichen fast alle Kinder in diesem Alter. Doch ab 10 Jahren erreicht bereits ein Drittel das Bewegungsziel nicht mehr.

Velospuren und sicher Kindergartenwege

Eine zentrale Forderung lautet deswegen, ein breites Angebot an sportlichen Aktivitäten zu schaffen, das für alle zugänglich ist. Alt Nationalrätin Ursula Wyss (SP), die neu die Allianz präsidiert, formuliert es so: «Es muss Freude bereiten und ohne grossen Aufwand möglich sein, sich zu bewegen oder sportlich zu betätigen.» Dafür brauche es bessere Rahmenbedingungen und ein bewegungsförderndes Umfeld für alle.

Konkret wünscht sich Wyss dafür eine neue Abteilung im Bundesamt für Sport mit eigenen personellen und finanziellen Ressourcen. Hinzu kommen verschiedene Forderungen an die Bau- und Verkehrskonzepte der Gemeinden und Kantone. Dazu zählt der Ausbau von Velospuren genauso wie die Sicherheit von Kindergartenwegen.

Die konkreteste Forderung betrifft allerdings die Schule. «Wir fordern, dass das Pensum im Fach Bewegung und Sport während der obligatorischen Schulzeit von 3 auf 5 Lektionen erhöht wird», steht in der am Montag veröffentlichten Agenda für Bewegung. Auf diesem Weg würden die meisten Kinder und Jugendlichen erreicht.