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Adolf Ogi

Beliebt wie eh und je: «Dölf» feiert seinen 70. Geburtstag

Adolf Ogi hat seine Popularität aus der Bundesratszeit konserviert. Er pflegt sie auch ganz bewusst. Er ist Identifikationsfigur und Kumpel zugleich. Heute feiert der beliebte Volksmann seinen 70. Geburtstag.

Gestern in Bern: vergebliche Suche nach dem neuen Buch über Adolf Ogi. Die erste Auflage ist ausverkauft, die zweite im Druck. Die Buchhändler zucken nur die Schultern. «Das Buch ist ein Renner», sagt die Verkäuferin in der Thalia-Buchhandlung. Und das sagt auch die Bestsellerliste des Schweizer Buchhandels. Bei den Sachbüchern liegt «Dölf Ogi – So wa(h)r es» auf Platz 1.

Damit wäre wieder einmal bewiesen: Adolf «Dölf» Ogi ist eine Ausnahmeerscheinung unter den Alt-Bundesräten. Zwölf Jahre nach seinem Rücktritt ist seine Popularität ungebrochen. Adolf Ogi ist der Bernhard Russi der Politik.

Der Volksnahe

Die «Hommage an den charismatischen Schweizer Staatsmann» ist ein Produkt des Weltbild-Verlages und der «Schweizer Illustrierten». Das ist natürlich kein Zufall. «Adolf Ogi hat das Licht der Kameras nie gescheut», sagt Oswald Sigg, einst Ogis Kommunikationschef und später Bundesratssprecher. Seine Popularität sei immer medial unterstützt worden. Die Banden zu Ringier waren eng. Wenn die «Schweizer Illustrierte» auf acht Seiten plus der Titelseite beschrieb, wie Adolf Ogi den Dom bezwang, dann rümpften seine Bundesratskollegen schon einmal die Nase.

«Das ist nicht nötig», soll Ogi auf die Kritik der Kollegen geantwortet haben, «doch das ist gut für die Verbundenheit mit dem Volk», erzählt Peter Rothenbühler, ehemaliger Chefredaktor der «SI». Doch Rothenbühler hält auch fest: «Adolf Ogi ist mehr als ein Ringier-Produkt.» Andere Bundesräte wie Flavio Cotti oder Joseph Deiss hätten sich ebenfalls gut gestellt mit dem Boulevard – aus ihnen wurden dennoch keine Ogis. Weil das Volk in ihnen keine Kumpels fand.

Der Kommunikator

«Das schlimmste für Adolf Ogi ist, mit einem Menschen im Streit zu liegen», sagt Marc Furrer, Präsident der Eidg. Telekommunikationskommission ComCom. Furrer war Ogis persönlicher Mitarbeiter, nachdem dieser 1987 in den Bundesrat gewählt wurde. Furrer half Ogi wesentlich dabei, dessen Vorstellungen von moderner Kommunikation umzusetzen.

So kam es, dass Adolf Ogi 1990 vor einem Millionenpublikum demonstrierte, wie man Eier kochen sollte, um Energie zu sparen. Die Szene ist legendär. Und sie zeigt, was Ogi besonders gut begriff: den Wert der Symbolik. Ein Deckel auf die Pfanne und schon wird der Energiebedarf gesenkt. «Ogi sah es auch als seine Aufgabe an, Politik medial darzustellen, sagt Oswald Sigg.

Der Streber

Adolf Ogi war bereits als Bundesrat populär. Er, der 1942 als Förstersohn in Kandersteg geboren wurde. Und er, der kein Akademiker ist. Ogi machte Karriere beim Schweizerischen Skiverband, bevor er in die Politik einstieg. 1979 wurde er in den Nationalrat gewählt, 1984 zum Präsidenten der SVP.

«Ogi», sagt Peter Rothenbühler, «ist ein extremer Streber». Es sei ihm immer nahe gegangen, dass er nicht studiert habe. Berühmt sind folgende Zeilen aus der NZZ, als Ogi zum offiziellen SVP-Bundesratskandidaten gekürt wurde: «Das gute Resultat kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die verbreiteten Bedenken, ob er über das nötige Format für das höchst anspruchsvolle Amt verfügt, nicht ausgeräumt sind».

Rothenbühler sagt: «Ogi wollte immer mehr wissen als alle anderen», das sei die beste Bildung. «Er war neugierig auf Probleme und er war neugierig auf Menschen.»

Der Menschenfreund

Diese Neugierde zeigte sich damals wie heute in seinem Umgang mit der Bevölkerung. «Ogi trägt das Herz auf den Händen», meint Rothenbühler, der mit ihm noch heute freundschaftlich verbunden ist. Mit Bundesrat Ogi konnte sich das Volk identifizieren, weil er nicht Professor, sondern Kumpel war.

«Kein kühler Politikfunktionär», sagt Marc Furrer. «Keine graue Maus», sagt Rothenbühler. Der Berner Oberländer Ogi geht auf die Menschen zu. Er kennt keine Barrieren. «Er ist jemand, der die Leute fast zur Freundschaft zwingt», sagt Rothenbühler.

Der Offene

Adolf Ogi ist wie ein Sänger, der nicht nur singt, sondern auch mit dem Publikum spricht. Und das tut er mit offenen Worten. Ogis flotte Wortwahl habe ihn manchmal als Mitarbeiter zusammenzucken lassen, erinnert sich Furrer. Für Sigg ist hingegen klar, dass seine lingua franca einen Teil seiner Popularität ausmacht. Auch seine prononcierten Stellungnahmen zur SVP.

Ogi kann es sich ohne weiteres leisten, SVP-Übervater Christoph Blocher zum Rücktritt aufzufordern. Ogi ist in dieser Sache glaubwürdig, weil er sich nie von der SVP abgewandt hat. «Adolf Ogi betrachtet die SVP als seine politische Familie», sagt Sigg. In dieser Frage sei er beratungsresistent. Furrer sieht in Ogis Haltung zur SVP einen anderen wichtigen Charakterzug seines einstigen Chefs bestätigt: «Ogi ist ein absolut loyaler und treuer Mensch.»

Der Rassembleur

Ogi ist loyal. Ogi ist lieb. Ogi ist harmoniesüchtig. Zusammengefasst: Ogi verkörpert die Antithese zu einem Bundesrat. Konnte man so in diesem Haifischbecken überleben? Ja, sagt Furrer, weil Ogi ein Kämpfer gewesen sei. Oswald Sigg nennt ihn einen Rassembleur: «Ogi konnte den Bundesrat zu einer kollegialen Zusammenarbeit motivieren.» Es sei ihm ein grosses Anliegen gewesen, dass bei wichtigen Themen der ganze Bundesrat hinter einem Entscheid stand. Und Furrer fügt an, dass Ogi Unterstützung aus allen Lagern genoss: «Er konnte Koalitionen schmieden.»

Ob all der Diskussionen um sein Charisma geht Ogis Leistungsausweis als Bundesrat zuweilen etwas unter. Bekannt ist sein hartnäckiger Einsatz für die Neat. Unfreiwillig wechselte er 1995 vom Verkehrs- ins Verteidigungsdepartement. Doch sein anfänglicher Ärger über seinen empfundenen Abstieg machte schnell seinem Gestaltungswillen Platz. «Er hat mehr aus der Armee gemacht als seine Vorgänger», bilanziert Sigg. Ogi sei ein Pionier gewesen. «Er hat verstanden, dass die Armee neue Aufgaben braucht und er hat mit den Auslandeinsätzen ein Tabu gebrochen.»

Adolf Ogi hat seine Popularität aus der Bundesratszeit konserviert. Einerseits, weil er sich nach seiner politischen Karriere ein neues Berufsleben aufgebaut hat – als UNO-Sonderbotschafter für Sport. Doch Ogi pflegt seine Popularität auch ganz bewusst. «Ogi ist wahrscheinlich deshalb so populär, weil er das auch will», sagt Rothenbühler.