Trockenheit

«Völlig unberechenbar»: Europas Helfer kämpfen gegen den grössten Waldbrand Belgiens

Der Wind kann innert eines Tages einmal komplett drehen – und damit auch die Richtung des Feuers. Jetzt werden erste Häuser auf deutscher Seite evakuiert. Rund 500 Einsatzkräfte versuchen, den Brand zu stoppen.
In der nordrhein-westfälischen Stadt Monschau wurden erste Stadtteile evakuiert.
Bild: Valentin Bianchi/ Keystone

Wegen des enormen Waldbrandes im Hohen Venn haben die Behörden eine Evakuierung in Teilen der nordrhein-westfälischen Stadt Monschau angeordnet. «Die aktuelle Entwicklung des Brandgeschehens im Hohen Venn erfordert eine sofortige Evakuierung folgender Strassenzüge in Kalterherberg: Ruitzhof und Geisberg», teilte die Stadt Monschau auf ihrer Internetseite mit.

Die Häuser seien sofort zu verlassen, hiess es. Eine Notunterkunft sei in der Sekundarschule in Simmerath eingerichtet worden. Betroffen seien 17 Häuser und maximal 30 Menschen.

Grösster Waldbrand der belgischen Geschichte

Im Osten Belgiens kämpfen Einsatzkräfte weiter gegen einen Grossbrand im Naturschutzgebiet Hohes Venn. Besonders schwierig sind die Bedingungen wegen des vergleichsweise starken und ständig drehenden Windes, wie der belgische Innenminister Bernard Quintin dem Sender RTL am Sonntagabend sagte.

Der Brand im Naturschutzgebiet Hohes Venn hat sich zu einem Grossbrand entwickelt.
Bild: Valentin Bianchi/ Keystone

Der Wind sei völlig unberechenbar und drehe sich im Laufe eines einzigen Tages einmal um 360 Grad. In welche Richtung sich das Feuer ausbreite, sei daher nicht vorherzusagen. Am Sonntagabend zog der Brand demnach in Richtung Südsüdost. Rund 30 Quadratkilometer Fläche sind nach Angaben der Behörden mittlerweile zerstört. Das Feuer war am Freitag ausgebrochen.

Am Sonntagnachmittag hatte Quintin eigentlich mitgeteilt, dass Teile des Feuers unter Kontrolle gebracht werden konnten - darunter die Feuerfront, die sich auf die deutsche Grenzstadt Monschau zubewegt hatte. Bis zum späten Abend war man auch in Monschau davon ausgegangen, dass die Flammen nicht auf deutsches Gebiet übergreifen und Evakuierungen nicht nötig seien.

Am Samstag hatten in zwei belgischen Gemeinden nahe dem Brandgebiet rund 600 Menschen ihre Häuser verlassen müssen.

Hilfe aus mehreren europäischen Ländern

Der Brand habe ein beispielloses Ausmass, sagte Quintin. Belgien erhält deshalb Unterstützung aus mehreren europäischen Ländern. Neben zwei Löschhubschraubern mit grossen Wassertanks aus den Niederlanden seien am Sonntagnachmittag zwei Löschflugzeuge aus Schweden im Einsatz gewesen, schrieb der Innenminister auf der Plattform X. Feuerwehrleute aus Deutschland und Luxemburg sind nach Angaben örtlicher Behörden bereits vor Ort.

Auch die belgischen Streitkräfte helfen: Sie stellten sechs Löschfahrzeuge und einen Tankwagen, wie Verteidigungsminister Theo Francken mitteilte. Erschwert werden die Löscharbeiten durch das unwegsame Gelände des Hohen Venns. Es gibt nur wenige Zufahrtswege, zudem machen die ausgedehnten Moorflächen die Brandbekämpfung schwierig.

Nach Angaben der Provinz Lüttich ist das Feuer nicht unter Kontrolle. Rund 500 Einsatzkräfte mit 120 Fahrzeugen seien an den Löscharbeiten beteiligt. Die Staatsanwaltschaft der Region Lüttich hat nach Angaben der Nachrichtenagentur Belga Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen. (dpa)