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New Orleans

Blutbad in Ausgehviertel: Bei Auto-Attacke durch einen IS-Sympathisanten sterben mindestens 15 Menschen

In der Silvesternacht hat ein Amerikaner im French Quarter in New Orleans (Louisiana) ein Blutbad angerichtet. Der 42 Jahre alte Ex-Soldat fuhr mit seinem Pick-up in feiernde Menschen.

Bei einem Terroranschlag in der Silvesternacht starben im Ausgehviertel in New Orleans mindestens 15 Menschen. Der Attentäter, der 42 Jahre alte Shamsud-Din Jabbar, handelte wohl auf eigene Faust. Zu diesem Schluss ist die Bundespolizei FBI am Donnerstag gekommen, nachdem sie noch am Mittwoch vermutet hatte, dass Jabbar nicht allein für den Anschlag verantwortlich gewesen sei.

Der gebürtige Amerikaner soll mit der Terror-Organisation IS sympathisiert haben. Im gemieteten Pick-up, mit dem Jabbar den Anschlag verübte, sei eine schwarze IS-Flagge gefunden worden, sagte der zuständige FBI-Agent Christopher Raia am Donnerstag an einer Pressekonferenz. «Das war eine terroristische Gewalttat.» Im Pritschenwagen befanden sich auch Waffen und selbst gebastelte Sprengsätze. Zudem deponierte der Texaner zwei Sprengkörper im French Quarter, in dem Tausende von Menschen das neue Jahr einläuteten.

Der mutmassliche Attentäter starb kurz nach 3.15 Uhr in einem Feuergefecht mit zwei lokalen Polizisten. Jabbar hatte Dienst in den amerikanischen Streitkräften geleistet. (Er war 9 Jahre als Informatiker im Aktivdienst und 5 Jahre als Reservist tätig.) Augenzeugen berichteten, der bewaffnete Fahrer des Pick-ups habe eine Uniform und einen Helm getragen.

Präsident Joe Biden sagte am Mittwochabend in einer kurzen Fernsehansprache, der Attentäter habe online Videos veröffentlicht, in denen er angedeutet habe, dass er sich vom IS habe inspirieren lassen. Angeblich schloss er sich der Terror-Organisation in der ersten Hälfte des Jahres 2024 an.

In diesen insgesamt fünf Videos sprach Jabbar auch über seine komplizierte familiäre Situation. Auch seine zweite Ehe war vor einigen Jahren gescheitert und die beiden Kinder, die er mit seiner ersten Gattin hatte, durfte er nicht mehr sehen, hiess es aus Familienkreisen. Jabbar lebte im Grossraum Houston in einer Wohnwagensiedlung ganz in der Nähe einer Moschee, die er angeblich auch regelmässig besuchte. Sein jüngerer Bruder sagte der «New York Times»: «Was er getan hat, repräsentiert nicht den Islam. Das ist eher eine Form der Radikalisierung und hat nichts mit Religion zu tun.»

Besteht eine Verbindung zu einer Explosion in Las Vegas?

Biden sagte in seiner Ansprache auch, dass eine Explosion eines Tesla vor einem Hotel in Las Vegas (Nevada) auf terroristische Hintergründe untersucht wurde. Der Cybertruck war am Mittwoch kurz nach 8.30 Uhr (Lokalzeit) vor dem Trump International Hotel Las Vegas explodiert , das zum Imperium des künftigen amerikanischen Präsidenten gehört.

Ein Mensch starb und sieben Personen wurden verletzt. Im Miet-Auto befanden sich Feuerwerke und ein Benzinkanister. Die lokale Polizei sagte in ersten Stellungnahmen, es gebe keine Hinweise auf eine Verbindung zu terroristischen Organisationen.

Beim getöteten Mann, dem Fahrer des futuristischen Fahrzeugs, handelte es sich höchstwahrscheinlich um den 37 Jahre alten Matthew Livelsberger. Er war ein Berufssoldat, stationiert in Deutschland; angeblich hielt er sich während seiner 19 Jahre in den Streitkräften auch auf dem gleichen Stützpunkt wie Jabbar auf. Ob sich die beiden gekannt haben, war vorerst unklar. «Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine definitive Verbindung» zwischen dem Terror-Anschlag in New Orleans und dem Vorfall in Las Vegas, sagte der FBI-Offizielle Raia.

Terrorist überwand Strassenblockade

In New Orleans war die Bourbon Street im French Quarter in der Silvesternacht für den Autoverkehr gesperrt und an der Ecke Canal Street mithilfe eines Polizeifahrzeugs blockiert. Dem Terroristen gelang es dennoch, in das Ausgehviertel zu fahren und wahllos Menschen zu überfahren – indem er kurzerhand um das Polizeiauto fuhr und seinen weissen Pritschenwagen über ein Trottoir steuerte.

«Wir hatten einen Plan. Aber die Terroristen schafften es, den Plan zu vereiteln», sagte Anne Kirkpatrick, die Polizeichefin von New Orleans, dazu. Jeff Landry, der republikanische Gouverneur von Louisiana, erwiderte: «Wir haben ein Problem. Wir werden es lösen.»

New Orleans ist nicht nur eine Touristenmetropole, beliebt an Silvester oder während der Fasnachtszeit («Mardi Gras»): Dieses Jahr ist die Stadt am Mississippi auch Austragungsort von mehreren Sport-Grossereignissen. Am Mittwoch hätte im «Caesars Superdome» ein wichtiges Spiel der College Football-Playoffs stattfinden sollen. Das Spiel, auch «Sugar Bowl» genannt, wurde nach dem Terroranschlag auf den Donnerstag verschoben. Und am 9. Februar findet im gleichen Stadion das Endspiel der NFL-Saison statt, der «Super Bowl» der besten amerikanischen Profi-Football-Teams.

Gouverneur Landry versicherte, dass diese Grossereignisse ohne Zwischenfälle über die Bühne gehen würden. Er jedenfalls werde sich den «Sugar Bowl» im Stadion anschauen. «Ich werde dort sein.» Der Republikaner äusserte allerdings auch leise Kritik an den Vorbereitungsarbeiten der lokalen Behörden. New Orleans ist eine Hochburg der Demokraten und Landry steht schon lange auf Kriegsfuss mit dem politischen Establishment der Stadt.

Augenzeugen berichteten von chaotischen Szenen, die sich in der Silvesternacht abgespielt hätten. Die Restaurants und Etablissements an der Bourbon Street waren, wie so häufig an Feiertagen oder Wochenenden, auch nach 3 Uhr noch gut gefüllt. Der Pick-up fuhr mit hoher Geschwindigkeit durch die historische Strasse. «Es war wie ein Horror-Film», sagte eine Frau aus Alabama, die mit ihrem Mann in der Silvesternacht ein Konzert besucht hatte.

Gäste des Hotels Royal Sonesta, vor dem der Pick-up zu stehen kam, konnten die Attacke von den Balkonen ihrer Zimmer aus beobachten. Das Hotel befindet sich etwa 250 Meter von der Canal Street entfernt. Mehr als drei Dutzend Menschen wurden verletzt, einige davon schwer.

Das Auto fuhr in eine Menschenmenge in New Orleans - 10 Menschen starben./>
In der Metropole New Orleans im US-Staat Louisiana hat ein Autofahrer in der Silvesternacht 14 Menschen getötet./>
Der Fahrer raste gegen 3.15 Uhr am Morgen mit seinem Pick-up durch das belebte Ausgehviertel French Quarter./>
35 Menschen wurden verletzt./>
Der Fahrer kam bei einem Schusswechsel mit der Polizei ums Leben, wie die Nachrichtenagentur AP aus Kreisen der Ermittlungen erfuhr./>
Bürgermeisterin LaToya Cantrell bezeichnete die Tat in der Pressekonferenz mit Cantrell als einen Terroranschlag./>
Die Bourbon Street ist weltweit für ihre ausgelassenen Silverpartys bekannt. Zusätzlich war für Mittwoch ein Play-off im College-Football geplant, zu dem Zehntausende Menschen im nahe gelegenen Superdome erwartet wurden./>