«Marsch fürs Läbe»

SVP-Nationalrat tritt an Anti-Abtreibungsdemo auf – und geht auf Distanz

Nicolas Kolly diente einst unter Papst Benedikt XVI. und ist ein aufstrebender Name in der SVP. Am Samstag spricht er in Zürich über die Betroffenheit von Männern durch Abtreibungen ­– und versucht, sich von den Veranstaltern zu distanzieren.

Diesen Samstag treffen sich Abtreibungsgegnerinnen und Abtreibungsgegner in Zürich erneut zum «Marsch fürs Läbe». Seit 2010 findet die von konservativen bis fundamentalistischen christlichen Organisationen getragene Demonstration statt.

Wie fast jedes Jahr tritt ein Gast aus der Politik auf. Dieses Jahr kommt der Hauptredner heuer wieder einmal aus der SVP. Der Freiburger Nationalrat Nicolas Kolly spricht gemäss Ankündigung über «die Perspektive von Männern, die von einer unerwarteten Schwangerschaft oder einer Abtreibung betroffen sind».

Im Gespräch am Rande der Herbstsession will Kolly den Inhalt seiner Rede nicht vorab verraten. Er sei von den Organisatoren, mit denen er zuvor keinen Austausch gepflegt habe, angefragt worden: «Ich habe zugesagt, weil es meiner Ansicht nach zu unserer direkten Demokratie gehört, dass politische Exponenten öffentlich ihre Meinung äussern.»

Vom Petersplatz nach Zürich-Oerlikon

Der 40-jährige Anwalt wurde 2023 in den Nationalrat gewählt und gehört zu den aufstrebenden Köpfen der SVP in der Romandie. Er tritt häufig in wichtigen Sendungen des Westschweizer Radio und Fernsehens (RTS) auf.

Der Katholik Kolly sagt: «Mein Glaube ist mir wichtig.» Nach der Rekrutenschule diente er von 2006 bis 2008 in der päpstlichen Schweizergarde unter Benedikt XVI.

18 Jahre nach dem Ende seines Diensts auf dem Petersplatz in Rom spricht Kolly nun also vor den Demonstrierenden auf dem Marktplatz in Zürich-Oerlikon. Die Veranstalter des «Marsch fürs Läbe» hatten in der Vergangenheit mehrfach für Schlagzeilen gesorgt. Bis 2020 präsidierte der Zürcher SVP-Stadtparlamentarier Daniel Regli den Trägerverein. Von dessen homophoben Aussagen in einer Budgetdebatte distanzierte sich einst auch die eigene Partei. Langjähriger Kassier war der Chocolatier Jürg Läderach, dessen Verstrickungen in eine umstrittene christliche Privatschule nach einem SRF-Dokfilm landesweit zu reden gaben.

Kolly grenzt sich von Veranstaltern ab

Es gebe unter den Organisatoren und Teilnehmern möglicherweise Personen, die weitergehende Ansichten vertreten als er selbst, sagt Kolly: «Umso wichtiger ist es, dass dort eine moderate Stimme wie meine zu hören ist.» Er respektiere die in der Schweiz geltende Fristenlösung – den straffreien Schwangerschaftsabbruch bis zur 12. Woche – und stelle diese nicht infrage. «Mir geht es darum, dass in dieser Debatte neben der Entscheidungsfreiheit der Frau auch auf den Wert des ungeborenen Lebens hingewiesen wird, das ebenfalls unseren Schutz verdient.» Dazu will Kolly auch den verstorbenen Benedikt XVI. zitieren, dem er einst diente.

Linksautonome Kreise mobilisieren für den Samstag unter dem Motto «Frau, Freiheit, Leben – den Fundis keinen Fussbreit» für eine Gegendemonstration in Oerlikon. Die Stadtpolizei Zürich hat davon Kenntnis und trifft entsprechende Vorbereitungen.

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