Das Team des im Straflager vor gut zwei Jahren zu Tode gekommenen Kremlgegners Alexej Nawalny hat die Ergebnisse des umstrittenen offiziellen Obduktionsberichts russischer Behörden veröffentlicht. Nawalnys Mitarbeiterin Maria Pewtschich teilte bei X mit, dass das Dokument mit Erlaubnis der Familie veröffentlicht werde. Damit wollten sie einer womöglich schon bald von russischen Staatsmedien als «Sensation» verkauften Präsentation zuvorkommen, erklärte sie.
Die gerichtsmedizinische Untersuchung, die mehr als 270 Seiten hat, stamme vom Sommer 2024 und liege den Angehörigen bereits seit anderthalb Jahren vor und sei auch Experten bekannt. Der russische Staat behauptet seit Langem, dass der erst 47 Jahre alte Nawalny am 16. Februar 2024 eines gewöhnlichen Todes gestorben sei.
Seine Familie und sein Team sprechen hingegen von Mord, sie geben Kremlchef Wladimir Putin die Schuld. Zum zweiten Jahrestag des Todes des russischen Oppositionellen hatten seine Witwe Julia Nawalnaja und Bundesaussenminister Johann Wadephul (CDU) am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz mitgeteilt, dass der Politiker mit einem starken Nervengift getötet worden sei. Sie beriefen sich auf Laborergebnisse, nach denen eine solche tödliche Substanz etwa beim Pfeilgiftfrosch vorkomme. Laborberichte oder andere Beweise wurden aber nicht präsentiert.
Nawalny-Team: Vergiftung von ausländischen Labors bestätigt
Russland wies die Anschuldigungen der Familie und westlicher Politiker kategorisch zurück und hat seine Einwände laut Staatsmedien auch bei der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OVCW) angezeigt. Die russische Führung behauptetet auch, nichts mit dem Giftanschlag auf Nawalny mit dem chemischen Kampfstoff Nowitschok 2022 zu tun gehabt zu haben.
Pewtschich sieht dagegen klare Beweise. «Die Vergiftung von Alexei Nawalny wurde von mehreren ausländischen Labors bestätigt, die Proben seines aus Russland ausgeführten Biomaterials untersucht haben», teilte sie bei X mit. «Sogar der Name der giftigen Substanz wurde genannt – Epibatidin.» Der von russischen Beamten vorgelegte Bericht habe keine gesellschaftliche Relevanz; er sei «steril und bereinigt». Trotzdem hätten sie die Ergebnisse der Leichenöffnung nun veröffentlicht, um einem Informationsbedürfnis der Millionen Nawalny-Anhänger gerecht zu werden. (dpa)

